Wettbewerb für Abschlussfilme deutschsprachiger Filmschulen

08.08.2018

FIRST STEPS gratuliert Gerd Ruge zum 90. Geburtstag!

© www.dietlb.de

Am Donnerstag, den 9. August 2018 feiert Gerd Ruge seinen 90. Geburtstag. Der Journalist und Autor war seit der ersten Verleihung im Jahr 2000 Mitglied der FIRST STEPS Dokumentarfilmjury. Seit 2002 vergibt er zusammen mit der Medienstiftung NRW das „Gerd-Ruge-Stipendium“ und unterstützt damit die nächsten Projekte junger Dokumentarfilmer/innen, darunter auch zahlreiche FIRST STEPS Nominierte.
Wie Gerd Ruge sich voller Neugier und ohne Scheuklappen immer wieder auf die Themen und Erzählweisen des Nachwuchsfilms einlässt, ist einzigartig.
FIRST STEPS Initiator Nico Hofmann sagt über ihn:
„Gerd Ruge ist Vorbild, ja Ikone für mich – sein kluger, ehrlicher Journalismus, diese unglaubliche Neugierde auf die Welt hat ihn zu einer inneren Größe, Toleranz und Offenheit gebracht, die die Weltpolitik heute so schmerzlich vermissen lässt. Gerd Ruges Engagement bei FIRST STEPS hat einer jungen Generation von Filmemacher/innen die Welt des Dokumentarfilms völlig neu geöffnet.“
2011 wurde Gerd Ruge mit dem FIRST STEPS Ehrenpreis ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Dokumentarfilmer Uli Gaulke, dessen wunderbare Hommage wir unten anfügen. 

Herzlichen Glückwunsch, lieber Gerd Ruge!

FIRST STEPS EHRENPREIS 2011
Laudatio für Gerd Ruge von Uli Gaulke

Noch heute, wenn ich den Namen Gerd Ruge höre, denke ich in erster Linie an kalte Winter, Roter Platz und Fellmütze mit Ohrenklappen. Ich weiß auch nicht, warum sich dieses Bild in meiner Erinnerung so festgebissen hat. Vielleicht lag es daran, dass Gerd Ruge für mich damals im Osten immer ein Argument dafür war, dass Westfernsehen so gefährlich gar nicht sein konnte, wie es uns die Lehrer weismachen wollten.

Denn sein Nuscheln, die ruhig vorgetragenen Kommentare hinterließen bei mir stets ein wärmendes Gefühl von Nähe und Liebenswürdigkeit. Erschien er auf der Mattscheibe unseres Schwarzweiß-Fernsehers und berichtete aus Moskau, wurde es in unserem Wohnzimmer still und alle schauten gebannt, was er uns wieder zu erzählen hatte. Irgendwie vermittelte er eine eigentümliche Ruhe im ansonsten aufgeheizten Säbelrasseln zwischen Ost und West. Er gab uns Zuschauern das Gefühl, dass, solange er auf dem Roten Platz steht, es keinen Dritten Weltkrieg geben würde.

So erschien es mir vollkommen absurd, als mein Staatsbürgerkunde-Lehrer nach der Landung von Mathias Rust auf dem Roten Platz in Moskau von einem eingefädelten Propaganda-Coup der Westmedien faselte, an deren Spitze Gerd Ruge stehen sollte. „Mit ihm als Strippenzieher will man die Sowjetunion lächerlich machen und so zu ihrem und damit zum Fall des Sozialismus beitragen“, polterte sich der Pädagoge in Rage. Wir schauten ihn versteinert an und dachten nur: Der hat sie nicht mehr alle. Denn wenn einer etwas übrig hatte für die Menschen jenseits des Eisernen Vorhanges, dann war es Gerd Ruge. Er blieb lange bei denen, die er porträtierte. Sein Interesse an den Geschichten kam aus seinem Inneren, da brannte irgendwo ein Feuer, da loderte Leidenschaft für Land und Leute. Er konnte zuhören und ging mit großem Respekt und ohne Vorurteil zu Werke - einige der wichtigsten Eigenschaften für einen Dokumentaristen.

Mit dem Staatsbürgerkunde-Unterricht war's dann aber zum Glück schnell vorbei, ebenso mit dem Sozialismus. Ich ging nach Berlin und hatte keinen Fernseher mehr. Doch nach 10 Jahren passierte ein kleines Wunder. Gerd Ruge stand plötzlich vor mir und drückte mir die Urkunde fürs Ruge-Stipendium in die Hand. Der Startschuss für ein neues Kinoprojekt war gelegt. Ich stammelte noch so etwas wie: „Man sieht sich immer zweimal im Leben …“ und „Ich habe Sie als Kind so bewundert ...“. Aber eigentlich war es auch egal. Was zählte, war die Wiederbegegnung mit einem Idol meiner Kindheit. Das Gefühl, dass dort jemand war, der wollte, dass es weitergeht mit dem Geschichtenerzählen. Der sich für den Nachwuchs stark machte, weil er wusste, dass draußen im Fernseh-Dschungel mit harten Bandagen gekämpft wird und kaum Zeit und Geld für gute Recherche vorhanden ist. Gerd Ruge hat verstanden, dass Kreativität Raum braucht, sich zu entfalten und Mittel, sie umzusetzen. Dafür gibt er seinen Namen, seine Aufmerksamkeit und seine Neugierde. Und er ist überall präsent, wo es gilt, Geburtshelfer für die Ideen junger Filmemacher zu sein. Er zimmert die Bretter, von denen wir springen müssen. Er schaut jeden unserer Filme zu Ende, liest unsere verrückten Konzepte und freut sich wie ein Kind über all das, was wir fabrizieren. Um es kurz zu machen: Gerd Ruge glaubt an uns und unsere Ideen. Dafür wollen wir ihm heute und hier aus vollem Herzen danken!

Uli Gaulke, Dokumentarfilmer

FIRST STEPS, der wichtigste deutsche Nachwuchspreis, wird jährlich an Abschlussfilme von Filmschulen in den deutschsprachigen Ländern verliehen. Die FIRST STEPS Awards sind mit insgesamt 115.000 Euro dotiert und werden in neun Preiskategorien an Regisseur/innen, Produzent/innen, Kameraleute und Drehbuchautor/innen von kurzen, mittellangen und abendfüllenden Spielfilmen, Dokumentarfilmen und Werbespots sowie an Nachwuchsschaupieler/innen vergeben. Der wichtigste und höchst dotierte deutsche Nachwuchspreis wurde 1999 als private Initiative der Filmwirtschaft von den Produzenten Bernd Eichinger und Nico Hofmann ins Leben gerufen. Er wird veranstaltet von der Deutschen Filmakademie e.V. in Partnerschaft mit ARRI, Mercedes-Benz, ProSiebenSat.1 TV Deutschland, UFA und Warner Bros.. Allen gemeinsam ist der Wunsch, den Filmnachwuchs sinnvoll und effektiv zu fördern.

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06.09.2018 

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