Wettbewerb für Abschlussfilme deutschsprachiger Filmschulen

28.09.2016

Laudatio Wim Wenders

Für Tom Tykwer

A long time ago, in a galaxy far far away, when I made My First Steps als ich in Wuppertal 1972 "Alice in den Städten" gedreht habe, sagt die kleine Alice mal, als sie mit Philipp Winter durch Elberfeld gurkt und ein paar Steppkes mit ihren Ranzen aus einem Schultor laufen sieht: "Die Schule ist aus!"

Mit einem schnellen Schwenk hat die Kamera auch ein paar dieser Drittklässler eingefangen. Einer von denen könntest Du gewesen sein, Tom. Zu Beginn der Neunziger Jahre habe ich auf die regelmäßige Frage ausländischer Journalisten hin, was es denn nach dem Neuen Deutschen Film endlich für interessante junge Regisseure gäbe, immer wieder Deinen Namen in die damals noch analogen Aufnahmegeräte buchstabiert. Bald konnte ich mir das sparen: Lola rannte und rannte...

Wir haben uns über die Jahre ein bisschen kennengelernt, Tom, und wenn ich das Revue passieren lasse, was für ein Bild von Dir das ergeben hat, wird mir klar, dass Du eine Art Archetypus des Filmemachers für mich darstellst. Du warst grundsätzlich immer am Drehen oder beim Schneiden oder bei Musikaufnahmen oder in der Mischung, und Du hast grundsätzlich immer begeistert davon berichtet.

Selbst wenn Du total erschöpft warst, bleich und mit Ringen unter den Augen, warst Du völlig erfüllt, geradezu beseelt von Deiner Arbeit. Das Filmemachen hat Dir einfach durch und durch Spaß gemacht, und Du kamst mir immer wie Hans im Glück vor, der es nicht fassen konnte,  mit so fabelhaften Werkzeugen  und so tollen Schauspielern oder Kameramännern arbeiten zu können 

Das Kino, wenn Du davon erzählst, ist eine herrliche Spielwiese und ein phantastischer Freiraum in dem wir alle das einmalige Privileg haben, uns in diesem Paradies austoben zu dürfen.

Das ist einfach toll, dass Du uns unseren Beruf immer wieder so positiv und ansteckend vor Augen führst. Wenn ich manchmal das Bedürfnis hatte, mir Rat von einem Kollegen zu holen, weil ich im Schneideraum saß und das Gefühl hatte ich brauchte dringend mal einen anderen Blick auf meinen Schnitt, dann ging meine erste SMS oder mein erster Anruf an Dich.

Nicht immer hattest Du dann Zeit, klar, aber wenn, dann war Deine Meinung präzise und hilfreich und vor allem großzügig.  

Und gerade diese Großzügigkeit ist eine Eigenschaft, die in unserem Beruf heutzutage rar geworden ist.

Und jetzt kriege ich endlich die Kurve zum heutigen Anlass: Ich habe nämlich in diesem Jahr auch in Kenia gearbeitet, und da ist mir von ganz vielen jungen Filmprofessionellen immer wieder das Hohelied dieser Deiner, oder besser: Eurer Großzügigkeit entgegengeschallt, die ohne Dich und die Ausbildung, die sie dank ONE FINE DAY erhalten haben nicht das geworden wären, was sie waren.

Aus Begeisterung etwas weitergeben wollen, und können und tatsächlich tun, das wollen, können und tun nur wenige. Und dass Ihr, Du, Marie und Sarika.

ONE FINE DAY in Kenia nicht nur gegründet habt, sondern nachhaltig dahinterstandet und immer wieder da wart, das habe ich also aus erster Hand immer wieder begeistert bestätigt gehört. Die Idee hinter ONE FINE DAY ist so genial wie einfach. Lehren und lernen durch gemeinsames Machen. Erfahrung einbringen und dabei selbst weiterlernen. Afrika ist für uns Europäer alle eine gewaltige Schule des Lebens. Aber wir können dort auch etwas hinbringen, mitbringen, was gebraucht wird: Deine Begeisterung nämlich, aber auch professionelles Know-how zum Beispiel und unsere Freiheit, Filme abseits von Formeln zu machen und radikal eigene Geschichten zu erzählen.

"Die Schule ist aus!" rief die kleine Alice.
"Sie ist nie aus, man lernt immer weiter" rufst Du uns seit jeher zu, lieber Tom, und wir teilen Deine Begeisterung für das Weitergeben und das Lernen, und vor allem Deine ansteckende Großzügigkeit  heute Abend mit vielen Nachwuchsfilmern:
sich auf Begegnungen jenseits ihres vertrauten Umfeldes einzulassen, neue Inhalte und Arbeitsweisen zu entdecken und sich mit Haut und Haar, auf jeden Fall mit den eigenen Mittel, zu engagieren. Bis wir alle Ringe unter den Augen haben.

Es tut mir leid, dass ich so ausschließlich auf Tom gebrieft war. Ich hoffe, Sarika Hemi Lakhani und Marie Steinmann werden mir das verzeihen. Und weil ich weiß, dass die Frauen ohnehin die ganze Arbeit meist alleine machen, bitte ich die beiden jetzt auf die Bühne.

Du kannst ja mitkommen, lieber Tom.

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