Wettbewerb für Abschlussfilme deutschsprachiger Filmschulen

26.08.2009

Preisträger und Jurybegründungen 2009

Der deutsche Nachwuchspreis 2009 geht an:

Jurybegründungen und Preisträger 2009
Preisverleihung im Theater am Potsdamer Platz, Berlin 
25. August 2009 

Vorbemerkung der Spielfilmjury 
Vielfalt und Reichtum – die Kurzfilme dieses Jahrgangs inspirieren und provozieren. Es scheint uns, dass viele inhaltliche und gestalterische Ideen, die uns in anderen Jahren eher in langen Abschlussfilmen begegnet wären, ganz entschieden in der kurzen Form realisiert wurden – mit großem Gewinn. Mit ausnahmsweise sieben Nominierungen plädieren wir für diese Kurzen: Was für ein Spektrum an Talenten! 

Katharina Kress (Drehbuchpreis), Philipp Döring (Rg) für Am anderen Ende
Der FIRST STEPS Award 2009: Kurzfilme bis 25 Minuten
Die nominierten Filme 

BIRTHDAY 
Regie: Andrzej Król, Fachhochschule Dortmund 
Erinnerung kreist um Gegenwart kreist um Erinnerung: Das ist der verzweifelte Zustand eines alkoholabhängigen Vaters, der seinem Sohn ein Fahrrad zum Geburtstag schenken wollte, dazu im Suff aber nicht kam – und seinen Kummer darüber wieder im Alkohol ertränkt. Der Film versucht, die schreckliche Erinnerung der drei Beteiligten – Vater, Mutter, Kind – das Unbewusste, fast Vergessene und Verdrängte, filmisch umzusetzen. 16 dialogfreie Minuten mit einem unerschöpflichen Reichtum an Bildern, an Licht und Tönen. "Birthday" ist ein Einmann-Unternehmen des Kameraabsolventen Andrzej Król – ein mutiger und gelungener Ausnahmefilm. 

NEVER DRIVE A CAR WHEN YOU'RE DEAD 
Regie: Gregor Dashuber, Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg 
Metamorphosen eines Leichenwagens, dem schrille Figuren wie Lemminge durch großstädtische Abraumhalden bis zum Friedhof folgen: ein grotesker Totentanz zu der bösen Musik von Marian Mentrup. Hier zeigt sich der Animationsfilm von seiner stärksten Seite: als einfallsreiches, sinnliches Kino, voller Witz und Poesie, Bosheit und Selbstironie, laut und schrill und die Schönheit im Hässlichen entdeckend. 

ROENTGEN 
Regie: Michael Venus, Hamburg Media School 
Ein junger Arzt experimentiert mit den gerade entdeckten Röntgenstrahlen. Das ist das Thema dieses Films, in dem zwar einiges gnadenlos durchleuchtet wird, aber nichts so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein schein. Ein Kostümfilm? Ja, aber die Sprache, auch die der Körper, kommt aus der Gegenwart. Ein medizinhistorisches Sujet? Ja, aber historisch unkorrekt und unvollständig. Dann also: ein Film über Besessenheit, ein Film über unterdrückte Leidenschaft, ein Film über Selbstüberschätzung. Zeitlos im Sujet, experimentell in seiner scheinbar konventionellen Gestalt. Risikobereit im Umgang mit Klischees. Die ganze Form ein Wagnis. Aber keine Selbstüberschätzung. 

SCHONZEIT 
Regie: Irene Ledermann, Zürcher Hochschule der Künste 
Die Mutter ist tot, und das bringt den Vater fast um. Der Tod hat zwei Jungen hinterlassen, die nun ganz aufeinander angewiesen sind, einander die Mutter und den abwesenden Vater ersetzen müssen. Irene Ledermanns Film erzählt von kindlicher, sprachloser Einsamkeit und konzentriert sich dabei mit einer heraus-ragenden Kameraarbeit ganz auf das Schweigen und die Einsamkeit ihrer Protagonisten. Diese Inszenierung trägt schon jetzt die unverwechselbare Handschrift einer Regisseurin, die genau weiß, was sie erzählen will. 

SORES & SIRIN 
Regie: Katrin Gebbe, Hamburg Media School 
Zwei Flüchtlingskinder aus dem kurdischen-irakischen Kriegsgebiet leben bei ihrer deutschen Pflegemutter. Die jüngere Sirin fühlt sich als Deutsche, der ältere Bruder kann sich noch an seine Heimat erinnern, er sehnt sich zurück und ruft den Großvater zu Hilfe. Eine Grundkonstellation, die zu Klischees geradezu auffordert – und eben diese Falle umgeht der Film bewusst. Die Haltung ist von Empathie geprägt, konfrontiert uns mit unseren eigenen Vorurteilen und erweckt Verständnis für alle vier Protagonisten. Auch die Figur des Großvaters, Inbegriff des konservativ denkenden Muslims, kommt hier zu ihrem Recht. Ein Film von großer menschlicher Wärme, mit Mut zur Nähe inszeniert und mit einem überraschend hoffnungsvollen Schluss. 

THANK YOU MR. PRESIDENT 
Regie: Lenn Kudrjawizki, freie Produktion 
Sieben Staats- und Regierungschefs im Weltsicherheitsrat, die Situation droht zu eskalieren, ein Blutbad scheint unvermeidlich – und dann passiert etwas Unerwartetes. Dieser durchaus kinotaugliche Kurzfilm präsentiert einen Vorschlag, festgefahrene Verhandlungen durch den Blick aufs Wesentliche wieder loszueisen: Denn die Lösung, das ist immer die Zukunft. Den Regisseur Lenn Kudrjawizki kennen wir bisher eher als Schauspieler (nicht zuletzt aus vielen Abschlussfilmen). Er hat hier großartige Kollegen um den Verhandlungstisch platziert und sie, mit einem originellen Plot, ebenso einfach wie raffiniert in Szene gesetzt. 

Der Preisträger in der Kategorie Kurzfilme bis 25 Minuten 

Der FIRST STEPS Award 2009 in der Kategorie Kurzfilme geht an: 
AM ANDEREN ENDE 
Regie: Philipp Döring, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg 
Eine Nachtschicht in der Telefonseelsorge. Während Marianne den Menschen am anderen Ende geduldig zuhört und behutsam Ratschläge gibt, sucht ihre drogenabhängige Tochter draußen vor dem Fenster verzweifelt und vergeblich ihre Hilfe. Ursula Werner verkörpert diese Frau, die sich vorgenommen hat, aus der Co-Abhängigkeit von ihrer Tochter auszusteigen: von Schuldgefühlen gequält, aber eisern entschlossen. Die Kamera, eindrucksvoll inspiriert von den Filmen der Dardenne-Brüder, sitzt ihr dabei im Nacken wie eine antike Rachegöttin. Dieser Film ist in Rhythmus und Inszenierung so dicht und packend erzählt, dass man sich ihm unmöglich entziehen kann. 

Joachim Dolhopf, Evi Goldbrunner für WAGs
Der FIRST STEPS Award 2009: Spielfilme bis 60 Minuten
Die nominierten Filme 

FALLEN GELASSEN 
Regie: Daniel Büttner & Max Baberg, Bauhaus-Universität Weimar 
Dieser 30-minütige Animationsfilm leistet Erstaunliches in vielerlei Hinsicht. Im Mittelpunkt steht die kleine Anna, eine Außenseiterin in der Schule und im Leben. Die drastische Darstellung ihres Schulalltags, raffinierte Zeitsprünge und surreale Zuspitzungen machen diesen Animationsfilm zu einem Seherlebnis, dem man sich nicht entziehen kann. Ein trotz aller Härte auch poetischer Film, außergewöhnlich in der Mischung aus Realismus, Abstraktion und Illusion. 

POLAR 
Regie: Michael Koch, Kunsthochschule für Medien Köln 
Das ist eigentlich eine einfache Geschichte: Ein Sohn besucht nach langer Zeit den Vater und dessen neue Familie und versucht, nach Jahren der emotionalen Entbehrung nun endlich einen Fetzen väterlicher Zuneigung zu erkämpfen. Das Unwiderstehliche an dieser einfachen Geschichte ist die dröhnende Stille zwischen den beiden Männern, unter der ständige Explosionen drohen. Dazu die Gesichter der beiden Protagonisten (André Hennicke und Max Brauer), die mit minimaler Mimik alles zu erklären scheinen, was sie in Worten verschweigen. Und schließlich die ständige Abwesenheit des Himmels (Kamera: Bernhard Keller), obwohl wir uns hoch oben in den Bergen befinden. 

SCHWESTER INES 
Regie: Christiane Lilge, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin 
Eine Krankenhaus-Soap à la "Truman Show"? Ein Horrorfilm in der Tradition von "Rosemary's Baby"? Ein fulminanter Protest gegen den neuen Spätgebärenden-Boom? Eine Mischung aus alldem und dazu ein Mutter-Tochter-Drama, wütend herausgepresst wie die Schwangerschaft im 13. Monat und Gebärmutter-Wände, die ohne vorherige Ankündigung unaufhaltsam menstruieren – fantasievoll und krude erzählt "Schwester Ines" von einem Alptraum als Befreiungsschlag. 

Der Preisträger in der Kategorie Spielfilme bis 60 Minuten 

Der FIRST STEPS Award 2009 in der Kategorie Spielfilme bis 60 Minuten geht an: 
WAGs 
Regie: Joachim Dollhopf & Evi Goldbrunner, Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg 
Sie stehen buchstäblich am Spielfeldrand: die Spielerfrauen, "Wives and Girlfriends" – oder kurz und geringschätzig: WAGs. Luxus und Langeweile, Einsamkeit und Heimweh haben Dina bitter gemacht. "Dein Job ist es, kleine Fußballjungs in die Welt zu setzen", erklärt sie der Neuen in der VIP-Lounge, wie das Spiel läuft, "und vor allem immer gut auszusehen." Wie die bulgarische Schauspielerin Vesela Kazakova diese vom unerfüllten Lebenshunger ausgelaugte Spielerfrau verkörpert, ist schon sensationell. Vordergründig jongliert "WAGs" nur mit Klischees, insgeheim landet der Film aber einen großen Wurf über unser aller Verhältnis zu Schein und Sein. 

Maik Bialk für Die Maßnahme
Der FIRST STEPS Award 2009: Dokumentarfilme
Vorbemerkung der Dokumentarfilmjury 
Ein Resümee nach zehn Jahren und circa vierhundert Dokumentarfilmen im Wettbewerb: Jeder Jahrgang war anders – mal näher dran, mal weiter weg, mal persönlicher, mal politischer. Wovon die Filme handeln, das muss nicht immer die Befindlichkeit der Gesellschaft treffen, in der diese Filme entstehen, hat es aber häufig getan. Auf jeden Fall ist es Ausdruck dessen, was junge Filmemacher beschäftigt und bewegt. Das ist deshalb aufschlussreich, weil ihre Filme weitgehend ohne jenen Vermarktungsdruck entstehen, der die Arbeit nach der Filmhochschule dann doch eher prägt. Zu diesem – dem Jubiläumsjahrgang – lässt sich sagen: Weit zu reisen braucht man nicht, um ungewöhnliche Themen und spannende Protagonisten zu finden. Manchmal reicht ein scharfer Blick nach Schwaben oder Brandenburg. Und dann entstehen Filme, in denen dieses Land, dessen Alltag man zu kennen glaubt, plötzlich ganz anders erscheint: exotisch, fremd, und doch sehr nah. 

Die nominierten Filme 

AVENIDA ARGENTINA 
Regie: Lucia-Milena Bonse, Hochschule für Fernsehen und Film München 
Nächtliche Streifzüge im Dokumentarfilm enden zumeist in der Edward-Hopper-Liga, mit einsamen Menschen an langen Theken mehr oder weniger schummriger Bars. Lucia-Milena Bonses Akteure, die in Buenos Aires Lumpen sammeln oder dem Sexgeschäft nachgehen, haben dagegen während des gesamten Films Verblüffungsmomente für den Zuschauer, der nach und nach selbst in das argentinische Halbdunkel eintaucht. Besonderer Höhepunkt: der Politaktivist und Künstler, der Plakate zerstört oder verfremdet. Die Bildsprache findet ihren eigenen, viel versprechenden Weg zwischen Eleganz und Verstörung; ein besonders Lob dafür an Kameramann Nikolai von Graevenitz und an Anja Pohl für die Montage. 

DIE HAUSHALTSHILFE 
Regie: Anna Hoffmann, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg 
"Noch ein lobendes Wort für die Martina?" fragt etwas flehend Herr Lübbert von der Pflegedienstorganisation. Beredtes Schweigen. Die slowakische Pflegekraft Martina (29) macht viele Fehler. Findet die an den Rollstuhl gefesselte Lore (75). Keiner der vermeintlichen Schnitzer bleibt unentdeckt. Sie schabt die Spätzle falsch, gibt beim Schlecker zuviel Geld aus und genehmigt sich doppelte Wurstportionen. Und überhaupt: Ordentlich sauber machen tut sie auch nicht. Lore und Martina sind unglücklich miteinander. 
Ein in beklemmenden Bildern gedrehter Film, dazu genau und aus großer Nähe beobachtet. Der Regisseurin Anna Hoffmann gelingt so, ohne falsche Betroffenheit, ein ganz anderer Blick auf Deutschland. Ohne illegale wie legale osteuropäische Pflegekräfte wäre das bundesdeutsche Pflegesystem längst in die Knie gegangen. Die Nöte und die gegenseitige Abhängigkeit von Pflegenden und Gepflegten zeigt exemplarisch dieser beeindruckende Beitrag zur Demografiedebatte auf. 

MEIN ERLÖSER LEBT 
Regie: Tobias Müller, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg 
Ein "Rettungsboot, auf dem viel Freude und Vergnügen herrscht." So sieht Pastor Peter Wenz seine freikirchliche Biblische Glaubensgemeinde (BBG) in Stuttgart. Der Film von Tobias Müller sieht genauer hin. Wir erleben Protagonisten, die Probleme im Leben haben oder hatten und die den Eindruck vermitteln, sie hätten sich freiwillig einer Gehirnwäsche unterzogen. Tobias Müller erlaubt uns tiefe Einsichten in die Methoden eines eigentlich verschlossenen, autoritären Systems der rasant wachsenden charismatischen Freikirchen in Deutschland. Eine schwierige Recherche, ein gelungener Film! 

SCHWERE GEBURT 
Regie: Christa Pfafferott, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg 
Mutter werden ist eine Wandlung, die sich im Verborgenen vollzieht, ständig konfrontiert mit "Du sollst, du musst, du darfst nicht". Ergebnis ist ein verklärtes Mutterbild, das nicht selten Verzweiflung und manchmal Gewalt gebiert. 
"Schwere Geburt" ist das intime Porträt einer jungen Mutter, die sich ihr Leben ganz anders vorgestellt hat. Sie ist – hadernd und ringend, hoffend und verzweifelt – auf der Suche nach dem neuen Ich. Sie setzt sich ebenso mit ihrer Vergangenheit auseinander, wie sie mit dem Vater ihres Kindes nach einem neuen, gemeinsamen Weg sucht, den es ohne das Kind längst nicht mehr geben würde. Christa Pfafferott ist ein hoffnungsvoller Film gelungen, der dem Thema Familie ein wahrhaftiges Gesicht verleiht. 

Der Preisträger in der Kategorie Dokumentarfilme 

Der FIRST STEPS Award 2009 in der Kategorie Dokumentarfilme geht an: 
DIE MASSNAHME 
Regie: Maik Bialk, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg 
Gerade hat Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerkandidat der SPD, Vollbeschäftigung versprochen – irgendwann, vielleicht in 15 Jahren, soll es keine Arbeitslosen mehr geben. In einem kleinen, schläfrigen Ort in Sachsen-Anhalt hat man schon einmal damit begonnen, Vollbeschäftigung zu verordnen, als Modellversuch der Bundesagentur für Arbeit. Diese "Maßname" und ihr agiler Chef mit dem sprechenden Namen "Bomba" haben bundesweit publizistische Aufmerksamkeit gefunden – seht her, es geht doch! Maik Bialk lässt in seinem Ludwigsburger Abschlussfilm die schnelle Aufmerksamkeitsökonomie der Fernsehmagazine links liegen – er zeigt die Mühsal und die Komik, den technokratischen Slang und die Vergeblichkeit, die mit dem Versuch verbunden sind, der geregelten Arbeit entwöhnte Menschen wieder in den Produktionskreislauf einzuspeisen. Bialks Film ist eine unangestrengte alltagsphilosophische Studie, die zur Reflexion darüber anregt, wie viel Sinn und Würde in und auch jenseits der formalisierten Beschäftigung liegt. Und er hat seine schöne Pointe: Die tatsächliche Karriere macht nämlich der Manager der Maßnahme. 

Hanna Maria Heidrich, Alex Eslam für Celebrate Sensuality
Der FIRST STEPS Commercial Award 2009
Vorbemerkung der Werbefilmjury 
2009 war in der Kategorie "Commercial Award" ein fast schon erschlagender Trend zu beobachten: Ernsthaftigkeit ist der neue Spaß! Sogar bei den – in den Vorjahren stets zu schrägsten Späßen und schrillsten Gags aufgelegten – Regiekollegen aus dem Werbefach ist eine fast schon beängstigende Demut vor der medial vorherrschenden Grundstimmung der Depression eingetreten. 
Früher sahen wir hier Piloten mit Jumbojets in haarsträubenden Rennen über den Flughafen düsen und verzweifelt nach Fußball-TV lechzende Männer, die im Kampf um die Fernbedienung mit ihren schlafenden Freundinnen jonglierten. Oder es wurden in immer wahnwitzigeren Varianten Liebhaber in Schlafzimmerschränke gesteckt bzw. aus diesen hervorgezaubert. 
Nicht so 2009: Wir sehen Menschen, die große Geheimnisse in sich tragen, den unendlichen Schmerz einer verlorenen Liebe oder die Arbeit an einem Porno-Set. In einem Werbespot! Es scheinen in der Tat dunkle, ernste Zeiten zu sein. Aber doch keimt ein wenig Hoffnung: Ein Geldschein findet den Weg aus der Finsternis ans Licht, der müde und einsame Autofahrer bekommt am Ende aufmunternde Gesellschaft und sogar an einem Ort, an dem Liebe und Menschlichkeit keinen Platz zu haben scheinen, geschieht Außergewöhnliches. 
Das tut gut und gibt auch der Jury Hoffnung. Denn wir lachen eigentlich ganz gerne. Und würden dies auch mit Vergnügen mal wieder ausgiebig tun. Spätestens bei FIRST STEPS 2010. Gerne auch über Liebhaber im Schrank. Die Schränke im diesjährigen Schlafzimmermöbel-Spot werden nämlich durch ausufernde Feng-Shui Maßnahmen komplett wegrationalisiert. 

Der Preisträger in der Kategorie Werbefilme 

Der FIRST STEPS Commercial Award 2009 geht an: 
VERDISSIMA LINGERIE "CELEBRATE SENSUALITY
Regie: Alex Eslam & Hanna Maria Heidrich, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg 
Dieser Film ist verrückt! Am Set einer trashigen Pornoproduktion versuchen sich zwei schräge Darsteller und ein tobender Regisseur an einer Szene. Zunächst sieht alles nach einer Genre-Parodie aus, doch dann kippt plötzlich die Stimmung. Verzweiflung, Melancholie, Mut, absurde Zärtlichkeit und am Ende unbedingte Freude bilden einen Stimmungsmix, der den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann zieht – oft vielleicht sogar gegen seinen Willen. 
"Celebrate Sensuality" ist in Wahrheit ein 60-Sekunden-Experimentalfilm, die Regisseure Alex Eslam und Hanna Maria Heidrich wie neugierige Forscher, deren absurde Versuchsanordnung auf wundersame Weise gelungen ist. Doch wie im Labor muss man sich den Erfolg auch am Set letztlich hart erarbeiten: mit blendendem Casting, ungewöhnlicher Bildauffassung, Vernarrtheit ins Detail und dem Mut, dem Instinkt zu trauen. Das gefällt uns! 
Am Ende entsteht in einer Kettenreaktion tatsächlich ein Fest der Sinne – Celebrate Sensuality! Wir sagen deshalb nicht Verdissima, sondern: Bravissimo! 

Der FIRST STEPS Award 2009: Sonderpreis Drehbuch
Vorbemerkung der Spielfilmjury 
Filmarbeit ist, das gilt für den Nachwuchsbereich in besonderem Maße, Teamarbeit. Autoren stehen dabei ganz vorne. Denn ihre Arbeit steht fast immer am Anfang eines guten Films – und wird am Ende viel zu selten zur Kenntnis genommen. Mit dem diesjährigen Sonderpreis für Drehbuch möchten wir die Aufmerksamkeit für junge Autoren stärken und sie in der Entwicklung eigener Stoffe ermutigen. 

Die Nominierungen in der Kategorie Drehbuch 

POLAR 
Buch: Juliane Großheim & Michael Koch, Kunsthochschule für Medien 
"Polar" ist ein Musterbeispiel dafür, dass es etwas zwischen den Zeilen eines Drehbuchs gibt, das genau so wichtig ist wie das gesprochene Wort. Einem stringent erzählten Konflikt folgend, erfährt der Zuschauer ein Gefühl großer Wahrhaftigkeit – in den naturalistisch-pointierten Dialogen und absurden Momenten einer mehr oder weniger unfreiwilligen Familienzusammenführung in den Bergen. 

SCHAUTAG 
Buch: Benjamin Hessler, Hamburg Media School 
"Schautag" ist ein handwerklich nahezu perfektes Drehbuch, eine raffinierte Erzählung mit einem überraschenden Schluss. Mit großer Eleganz führt Benjamin Hessler verschiedene Ebenen zusammen. Aus den Geschichten einer Mutprobe und dem Trauma zweier Männer wird eine starke Fabel über Schuld und Erlösung. 

SCHWESTER INES 
Buch: Christiane Lilge, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin 
"Eine Welt zu erfinden" führt Christiane Lilge an neue, unbeschreibbare Grenzen. Dass sie in dieser gewagten Mischung aus Satire, Science Fiction und Horrorfilm jedoch nie den Blick für die Sehnsucht ihrer Hauptfigur verliert, ist eine der ganz besonderen Leistungen ihres Buches. 

Der Preisträger in der Kategorie Drehbuch 

Der FIRST STEPS Sonderpreis 2009 in der Kategorie Drehbuch geht an die Autorin KATHARINA KRESSfür ihr Buch zu dem Film AM ANDEREN ENDE (Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg) 
Eine der größten Stärken von Katharina Kress’ Drehbuch ist die Reduktion auf das Wesentliche. Die Autorin benötigt nur einen Streit um hundert Euro und einen Schlüssel, um eine Drucksituation herzustellen, die uns in den zwanzig packenden Minuten von "Am anderen Ende" mit Hoffnung und Furcht Anteil nehmen lässt an dem wahrscheinlich seit Jahren andauernden, zermürbenden, vielleicht sogar schon aufgegebenen Kampf einer Mutter um das Wohlergehen ihrer Tochter. Mit dem Mut, sich auf einen Ort und ein paar Stunden eines Abends zu konzentrieren, im Erzeugen dieses Spannungsfelds, liefert sie die Vorlage dafür, dass die ebenso bemerkenswerte Regie und die herausragende Hauptdarstellerin überhaupt erst ihre ganzen Stärken entfalten können. 
Katharina Kress‘ Buch traut sich ganz uneitel, unsichtbar zu werden. Es stellt nicht seine außergewöhnliche Handwerklichkeit, seine präzise Struktur und die forcierte Anordnung der Figuren in den Vordergrund, es ist eine Vorlage für die spannende und trotz aller Dramatisierung wahrhaftige Schilderung menschlichen Lebens. 


Valeska Bochow, Maximilian Erlenwein, SCHWERKRAFT
Der FIRST STEPS Award 2009: Abendfüllende Spielfilme
Die nominierten Filme 

ARMEE DER STILLE '09 – LA ISLA BONITA 
Regie: Roland Lang, Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg 
Eine seltsame Gesellschaft in einer Kulissenstadt im Nirgendwo, Überbleibsel einer TV-Serie. Zwischen blicklosen Schaufensterpuppen und dem weißen Rauschen riesiger Bildschirme suchen sieben Personen einen Autor, der ihre Langeweile beendet und ihrem Tun einen Sinn gibt. Ein stilistisch interessanter, risikofreudiger Versuch, die Apokalypse des Medienzeitalters in der beeindruckenden Kulisse einer Lausitzer Mondlandschaft zu inszenieren: Wann, wenn nicht an einer Filmhochschule, kann man ein solches Wagnis eingehen? 

DESPERADOS ON THE BLOCK 
Regie: Tomasz Emil Rudzik, Hochschule für Fernsehen und Film München 
Der aus Polen stammende Autor und Regisseur hat selbst drei Jahre im Titel gebenden "Block" gewohnt, als einer der 630 Bewohner, die sich im größten Studentenwohnheim Deutschlands in München auf 23 Etagen verteilen. Im Aufzug treffen sie unweigerlich aufeinander: ein heimwehkranker "Nachhilfejapaner" aus Shanghai, ein verliebter taubstummer Lette und eine rumänische Theologiestudentin, die Gott auf die Probe stellt. Mit großer Zuneigung zu seinen Figuren erzählt Tomasz Emil Rudzik von der Einsamkeit, den Hoffnungen und Nöten dieser multikulturellen Zwangsgemeinschaft und schafft mit präzisem Casting und moderner Inszenierung einen menschenfreundlichen, sympathischen Film. 

RÉSISTE – AUFSTAND DER PRAKTIKANTEN 
Regie: Jonas Grosch, Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg 
Hochaktuell: Die Komödie zur Generation Praktikum. Während der smarte Dauerpraktikant Till mit einer brillanten Geschäftsidee die Methoden seiner ausbeuterischen Arbeitgeber kontert, stachelt die Rote Katharina, inspiriert vom (echten) ehemaligen Linksradikalen Christoph Wackernagel das Heer der ausgebeuteten Praktikanten zum politischen Widerstand auf. Eine wilde Mixtur aus Komödie und Pamphlet, mit manchmal etwas holperigem Humor, aber einem studentischen Charme, der in seiner Naivität an die Schwabinger Komödien der 60er erinnert – wann haben wir so etwas zuletzt gesehen? 

Der Preisträger in der Kategorie Abendfüllende Spielfilme 

SCHWERKRAFT 
Regie: Maximilian Erlenwein, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin 
Schwerkraft ist ein Schwergewicht: großes Kino, unterhaltsam und mit Tiefgang. Mit nuancenreicher Subtilität verkörpert Fabian Hinrichs einen Bankangestellten, der die Auswirkungen eines gekündigten Kredits so hautnah zu spüren bekommt, dass es ihn aus der Bahn wirft. Der hochexplosiven Mischung, die sich in ihm aufbaut, setzt Jürgen Vogel die stoische Erdung eines Exknackis und kriminellen Lehrmeisters entgegen. Es geht um die Magie des Geldes, aber ebenso um Sehnsucht, Freundschaft, Liebe, Gewalt, Hoffnung. Eine dichte Erzählung mit brillanten Dialogen; Figuren, die den Schauspielern erlauben, auf hohem Niveau einzusteigen; glänzend besetzt und inszeniert; eine herausragende Kamera; ein rasanter Schnitt; und als Krönung eine kongeniale Musik: Wir sind beeindruckt vom Talent und der handwerklichen Souveränität des Autors und Regisseurs Maximilian Erlenwein. 

Die Jurys 2009
Für die Spielfilmkategorien und den Drehbuchpreis: 
Bernd Lange, Marco Kreuzpaintner, Katja Riemann, Ludwig Trepte und Klaudia Wick 

Für den Dokumentarfilmpreis: 
Aelrun Goette, Lutz Hachmeister und Klaus Stern 

Für den Commercial Award: 
Ingmar Bartels, Florian Beisert, Gregor F. Gründgens, Jochen Kalka und Philipp Stölzl 

Ausführliche Informationen zu FIRST STEPS, den Jurymitgliedern, den Veranstaltern und zu allen Filmen und Filmemacher/innen unter www.firststeps.de 

FIRST STEPS – Der Deutsche Nachwuchspreis wird gemeinsam veranstaltet von Deutsche Filmakademie, German Free TV, Mercedes-Benz, Spiegel TV und teamWorx /UFA 

Herzlichen Dank an Medienboard Berlin-Brandenburg und cine plus Media Service Berlin

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