Jurybegründung

Bildgestaltung verlangt mehr als nur technisches Geschick: So begegnen wir dieser in besonders kraftvoller Weise, wenn sie dem Film durch einen leidenschaftlichen Austausch mit der Geschichte eine ganz eigene Magie verleiht. Die drei Nominierten für den Michael-Ballhaus-Preis finden die richtigen Bilder für ihre Geschichten und bedienen sich dabei unterschiedlichster gestalterischer Mittel.

Elegant bringt Matthias Halibrand in „Das beste Orchester der Welt“ zugleich absurd Komisches und erschreckend Reales zusammen. Die anspruchsvolle, aber zurückhaltend eingesetzte Technik überlässt mit liebevollem Blick dem außergewöhnlichen Helden dieser Geschichte die Bühne: der Sockenpuppe Ingbert. Mit „Tala’vision“ kreiert Philip Henze einen hypnotisierenden und intensiven Sog aus Bildern, der uns in die kleine, aber weite Welt der jungen, tapferen Tala eintauchen lässt. Mit einer faszinierenden Ruhe beobachtet die virtuose Handkamera liebevoll das wunderschöne Schauspiel und ermöglicht dadurch die volle emotionale Entfaltung einer sehr berührenden Geschichte. Ein besonders gelungenes Zusammenspiel von Regie, Kamera und Schnitt sehen wir in „Trading Happiness / Trao Đổi Hạnh Phúc“ – Meret Madörin erzeugt organische, fast dokumentarische Bilder in einem technisch herausfordernden Setting. Durch das bedingungslose Vertrauen in die Figuren legt sie in leisen, poetischen Tönen die Essenz dieses Films frei: die vielschichtigen Nuancen der Vietnamesin Nghi und ihrer Tochter Phuong im Kontrast zur schonungslosen Realität.

Matthias Halibrand
Matthias Halibrand, Nominiert First Steps Award
© Fabian Raabe

Geboren 1982 in Erfurt. Vier Semester Studium der Medienwissenschaften an der Bauhaus Universität Weimar. Ab 2014 Kamera- und Montagestudium an der Filmakademie Wien. 2018 Teilnehmer Berlinale Talents. "Das beste Orchester der Welt" ist sein Abschlussfilm und wurde 2020 für den Michael-Ballhaus-Preis nominiert.

Filmografie

Kamera:

2020 Das beste Orchester der Welt. Regie: Henning Backhaus (Kurzspielfilm, 14′)
2020 Chasing Paper Birds. Regie: Mariana Jukica (Spielfilm, 127′)
2020 Plaudern. Regie: Axel C. Binder (Kurzspielfilm, 12′)
2018 Violet Spin – Affection. Regie: Kurdwin Ayub (Musikvideo, 7′)
2016 Cardiochaos – Wine & Champagne. Regie: Peter Brunner (Musikvideo, 5′)
2016 Armed – Pech Wird Glück. Regie: Stefan Polasek (Musikvideo, 3′)
2015 Gute Nacht. Regie: Henning Backhaus (Kurzspielfilm, 5′)
2014 Entre Deux. Regie: Mojca Bozic (Kurzspielfilm, 8′)
2012 Fiesta auf der Müllhalde. Regie: Claudia Wohlgenannt (Dokumentarfilm, 30′)
2011 Cardiochaos – Colors Of The Real World. Regie: Klara Veegh (Musikvideo, 5′)

Kamera & Schnitt:

2019 Der Hund Bellt. Regie: Stefan Polasek (Spielfilm, 29′)
2019 Violet Spin – Bingo. Regie: Matthias Halibrand (Musikvideo, 4′)
2013 Milchzähne. Regie: Peter Brunner (Kurzspielfilm, 10′)

Schnitt:

2020 Fidibus (AT). Regie: Klara Veegh (Kurzspielfilm, ca. 20′) – in Postproduktion
2020 Killer Jenny. Regie: Bela Lukac (Kurzspielfilm, 22′)
2016 Vergeben Und Vergessen. Regie: Michael Ramsauer (Kurzspielfilm, 30′)
2015 Stillstand. Regie: Bela Lukac (Kurzspielfilm, 37′)
2013 La Vie Nous Appartient. Regie: Alex K. Lee (Spielfilm, 90′)
2013 Mein Blindes Herz. Regie: Peter Brunner (Spielfilm, 90′)
2012 Unser Lied. Regie: Catalina Molina (Kurzspielfilm, 30′)
2011 Mountains And Molehills. Regie: Sandra Wollner (Dokumentarfilm, 55′)
2010 Talleres Clandestinos. Regie: Catalina Molina (Kurzspielfilm, 39′)
2010 Little Precious. Regie: Chen Bo Yilin (Kurzspielfilm, 25′)
2009 Inside America. Regie: Barbara Eder (Spielfilm, 90′)
2007 Zeitfeld. Regie: Catalina Molina (Kurzspielfilm, 18′)

Stand: 27.07.2020

DAS BESTE ORCHESTER DER WELT

Ingbert, die Socke, bewirbt sich als Kontrabassist bei der Wiener Staatskapelle. Blöde Idee.

Hochschule: Filmakademie Wien
Filmkategorie: Kurzspielfilm
Länge: 14 Minuten
Drehformat(e): Arri Alexa

Stab

Regie Henning Backhaus
Buch Henning Backhaus, Rafael Haider, Albert Meisl
Kamera Matthias Halibrand
Darsteller·in Helen Hagmüller (Frau Brendel), Richard Obermayr (Orchestermitglied #4), Jörn Hentschel (Orchestermitglied #1), Peter Huemer (Orchestermitglied #2), Dominic Oley (Orchestermitglied #3), Thomas Mraz (Orchesterwart)
VFX-Operator Lisa Vogt, Felix Pichler
Schnitt Jana Libnik
Musik Henning Backhaus
Tondesign Nora Czamler
Szenenbild Andrea Meschik
Puppenspieler·in Rafael Haider, Katarina Csanyiova
Produzent·in Lukas Rosatti

Philip Henze
Philip Henze, Preisträger First Steps Award
© Fabian Raabe

Geboren 1993 in Bad Homburg. Ab 2015 Kamerastudium an der Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg. "Tala’vision" ist sein Abschlussfilm und wurde 2020 mit dem Michael-Ballhaus-Preis ausgezeichnet.

Filmografie

Kamera:

2020 Tala’vision. Regie: Murad Abu Eisheh (Spielfilm, 28′)
2019 Key Moment. Regie: Alexander Kühn (Werbefilm, 3′)
2018 Spirit of The Ball. Regie: Murad Abu Eisheh (Dokumentarfilm, 93′)
2018 Tahariri. Regie Murad Abu Eisheh (Kurzspielfilm, 17′)
2018 Up The River. Regie: Nele Dehnenkamp (Dokumentarfilm)
2017 State of Matter. Regie: Luca Homolka, Murad Abu Eisheh (Werbefilm, 2′)
2017 Kaugummiblase. Regie: Anja Gurres (Kurzspielfilm, 25′)
2017 Refugio. Regie: Klemens Hegen (Kurzspielfilm, 11′)
2016 Fäzes. Regie: Johann Diehl (Kurzspielfilm, 10′)
2016 Aufrecht durch die Nacht. Cécilia Marchat (Reportage, 13′)
2014 Wo ist der Frühling?. Regie: Murad Abu Eisheh (Kurzspielfilm, 14′)

Stand: 30.07.2020

TALA’VISION

Gefangen in einer vom Krieg geprägten Realität, in der Hoffnung, eines Tages Fußball spielen zu können, findet die 8-jährige Tala Trost und Freiheit in einem geheimen Fernseher. Die Hütung dieses Geheimnisses wird jedoch schnell zu einer Tatsache, die über Leben und Tod entscheidet.

Hochschule: Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg
Filmkategorie: Spielfilm (mittellang)
Länge: 28 Minuten
Drehformat(e): Sony Venice
TV Erstausstrahlung: SWR

Stab

Regie Mohd Murad Abu Eisheh
Buch Mohd Murad Abu Eisheh
Kamera Philip Henze
Animation Lukas Löffler, Josephine Roß
Schnitt Quirin Grimm
Tondesign Johann Meis
Szenenbild Julian Knaack
Kostümbild Farah Karouta
Redaktion Joachim Lang (SWR)
Produzent·in Esther Busch, Philipp M. Raube, Gabriel Waldvogel
Co-Produzent·in Khalid Abu Sharif, Ala’a Ala’a Al Asa’ad, Khaled Haddad
Produktionsfirma Tabi360

Meret Madörin
Meret Madörin, Nominiert First Steps Award
© Fabian Raabe

Meret Madörin wurde 1987 in Eckernförde geboren und wuchs in der Schweiz auf. Seit 2009 arbeitet sie in der Filmbranche. Sie absolvierte bis 2013 den Bachelor of Arts in Film an der Zürcher Hochschule der Künste sowie bis 2020 das Masterstudium Cinematography an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Seit 2016 arbeitet Meret Madörin als Kamerafrau für Spiel- und Dokumentarfilme. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Zürich. "Trading Happiness / Trao Đổi Hạnh Phúc" ist ihr Abschlussfilm und wurde 2020 für den Michael-Ballhaus-Preis nominiert.

Filmografie

Kamera (Auswahl):

2020 Grenzen. Regie: Christian Wehrlin (Kurzspielfilm, 15′)
2020 Imago. Regie: Remy Blaser (Kurzspielfilm, 18′)
2020 The Girls Who Ride Dragons. Regie: Peyman Ghalambor (Dokumentarfilm, 90′)
2020 Trading Happiness /Trao Đổi Hạnh Phúc. Regie: Duc Ngo Ngoc (Kurzspielfilm, 25′)
2019 Lovers. Regie: Rebecca Panian (Spielfilm, 90′)
2011 Mängisch gaht, mängisch nöd. Regie: Aydos Toktobayev (Dokumentarfilm, 15′)
2011 Von ganz nah fern. Regie: Noëmi Schneider (Kurzspielfilm, 11′)

Kamera & Co-Regie:

2013 Sturm. Regie zus. m.: Noëmi Schneider (Kurzspielfilm, 30′)

Stand: 27.07.2020

TRADING HAPPINESS / TRAO ĐỔI HẠNH PHÚC

Die Vietnamesin Nghi überkommt am Hochzeitstag ihrer Tochter Phuong ein ungutes Gefühl, als sie zum ersten Mal den fremden chinesischen Bräutigam sieht. Nghi und Phuong haben entschieden, dass die 17-Jährige heiraten soll, um die Schuldenlast der Familie zu mindern. Doch dann verschwindet die Braut kurz nach der Trauung und die Mutter muss entscheiden, was sie bereit ist, für das Glück ihrer Familie herzugeben.

Hochschule: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Filmkategorie: Kurzspielfilm
Länge: 25 Minuten
Drehformat(e): Arri Alexa Mini

Stab

Regie Duc Ngo Ngoc
Buch Florina-Alice Biro
Kamera Meret Madörin
Darsteller·in Thien Tu Tran (Phuong), Nhu Quynh (Nghi)
Schnitt Laura Espinel, Katja Nguyen Thanh
Musik Franziska May, Johann Niegl
Tondesign Alexandra Praet
Szenenbild Kelly Hoang
Kostümbild Thanh Thanh Vu
Produzent·in Pia To
Co-Produzent·in ever rolling films, Josh Levy, Le Hang Nguyen