Abendfüllender Spielfilm
Kilian Friedrich studierte Szenische Künste in Hildesheim und Madrid sowie anschließend Dokumentarfilmregie in München und Mexiko-Stadt. Sein Dokumentarfilm ATOMNOMADEN feierte 2023 Weltpremiere auf der Berlinale und wurde mit dem Deutschen Kurzfilmpreis in der Kategorie mittellanger Film ausgezeichnet. Sein Spielfilmdebüt ICH VERSTEHE IHREN UNMUT wurde 2026 im Panorama der Berlinale uraufgeführt und mit dem Förderpreis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet. Kilian Friedrich lebt und arbeitet zwischen München und der Saar-Lor-Lux-Region.
Filmografie
Regie:
2026 ICH VERSTEHE IHREN UNMUT
2024 VOY
2023 MIS NIÑOS DE MADERA
2023 ATOMNOMADEN
2021 SURVIVE (Regie mit Lara Milena Brose)
2019 ICH WILL INS PARADIES
Stand: 13.08.2026
Jurybegründung zur Nominierung:
Mit großer Unmittelbarkeit eröffnet ICH VERSTEHE IHREN UNMUT einen seltenen Einblick in die Arbeitsrealität des Niedriglohnsektors. Die Nähe der Kamera, der dokumentarische Duktus und der konsequente Einsatz von Laiendarsteller:innen verleihen dem Film eine bemerkenswerte Körperlichkeit. Vor allem die Hauptdarstellerin macht den permanenten Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck, Verantwortung und Mitgefühl jederzeit glaubhaft. Aus alltäglichen Gesprächen und Entscheidungen entwickelt sich eine stetig wachsende Spannung, die nie konstruiert wirkt. Ein eindringlicher Film über Arbeit, Würde und die Widersprüche eines Systems, das von den Unsichtbaren zusammengehalten wird.
ICH VERSTEHE IHREN UNMUT
Heike (59) arbeitet als Objektleiterin in einer Reinigungsfirma und vermittelt täglich zwischen Kund:innen, Unternehmensleitung und Reinigungspersonal. Sie hat versucht, einen Arbeiter eines Subunternehmers abzuwerben und damit gegen die Vorschriften verstoßen. Nun droht der Subunternehmer, die Zusammenarbeit einzustellen, es sei denn, Heike beschafft ihm mehr Arbeitsstunden und Einnahmen. Heike gerät zunehmend in einen Konflikt zwischen ihrer Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter:innen und den Anforderungen ihres Jobs in der unteren Führungsebene der Firma.
Ausbildungsstätte: Hochschule für Fernsehen und Film München
Produktion: Hochschule für Fernsehen und Film München, WennDann Film GmbH
Verleih Real Fiction
Filmkategorie: Abendfüllender Spielfilm
Länge: 93 Minuten
Stab
Regie Kilian Friedrich
Produktion Ben Ulrich, Simon Bogocz, Felix Mann
Drehbuch Kilian Friedrich, Tünde Sautier, Daniel Kunz
Kamera Louis Dickhaut, Frederik Seeberger
Schnitt Leila Fatima Keita, Kilian Friedrich
Ton Xavier Fleming, Andrew Mottl
Szenenbild Michelle Kleist, Florian Ufer
Kostüm Marlene Jordan
Darsteller:innen Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Sadibou Diabang, Nigyar Velagich
Jacqueline Jansen wurde 1994 in Erkelenz geboren und wuchs auf einem Kohlbauernhof in Nordrhein-Westfalen auf. Als Autodidaktin sammelte sie seit 2013 praktische Erfahrung an mehr als vierzig nationalen und internationalen Filmsets in inhaltlichen und organisatorischen Funktionen. Zwischen 2014 und 2017 realisierte sie in Deutschland und den USA ihren dokumentarischen Langfilm NO WAY HOME. Für die Romanadaption ALLES GESCHIEHT HEUTE sicherte sie sich die Filmrechte und schrieb gemeinsam mit Nicole Marischka das Drehbuch. Ihren autofiktionalen Spielfilm SECHSWOCHENAMT entwickelte sie während der Pandemie. Darüber hinaus ist Jacqueline Jansen Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des Vereins KunstFreiheitFilm e.V. und engagiert sich für die Förderung autodidaktischer Film- und Kunstprojekte.
Filmografie
Regie:
2025 SECHSWOCHENAMT
2021 ALLES GESCHIEHT HEUTE (Teaser)
2019 NO WAY HOME
2016 BE CARE FULL
2015 IGOR
Stand: 13.08.2026
Jurybegründung zur Nominierung:
SECHSWOCHENAMT begegnet dem Ausnahmezustand von Trauer mit einer eigenständigen filmischen Sprache und findet für das Unsagbare eindringliche Bilder und Klänge. Die Inszenierung verlässt vertraute Erzählmuster und entwickelt aus Montage, Sounddesign und Bildgestaltung einen Rhythmus, der den inneren Zustand seiner Protagonistin erfahrbar macht. Die Hauptdarstellerin trägt diesen Film mit großer Präsenz und feiner Genauigkeit. Persönlicher Verlust und gesellschaftlicher Ausnahmezustand verschränken sich dabei zu einer Erzählung, die weit über ihre konkrete Situation hinausweist. Ein mutiger und außergewöhnlich souverän inszenierter Debütfilm.
SECHSWOCHENAMT
»SECHSWOCHENAMT« erzählt die Geschichte von Lore, die nach dem Tod ihrer Mutter sechs Wochen in ihrer rheinischen Heimat verbringt, um deren letzten Wunsch zu erfüllen, dabei muss sie sich gegen festgefahrene Familienstrukturen und eine Bürokratie, die von der ersten Covid-Welle gelähmt ist, behaupten. Lore will sich dabei keine Manier des Verabschiedens diktieren lassen, und doch stellt sie sich immer wieder dieselbe Frage: Wie trauert man richtig?
Ausbildungsstätte: Freie Einreichung
Produktion: Filmweh
Verleih Piffl Medien
Filmkategorie: Abendfüllender Spielfilm
Länge: 98 Minuten
Stab
Regie Jacqueline Jansen
Produktion Jacqueline Jansen
Producer:in Elisabeth Streffer
Drehbuch Jacqueline Jansen
Kamera Markus Ott
Farbkorrektur Edmond Laccon
VFX Sebastian Nozon & Florian Ast, inHouse VFX
Licht Leroy Münch
Schnitt Simon Dopslaf & Jacqueline Jansen
Sound Design & Mix Johannes Kunz, Filmsoundlab
Originalton Bernhard Joest
Szenenbild Sophie Rohm
Kostüm Angela Queins
Filmmusik Anna Kühlein
Casting Susanne Ritter & Jacqueline Jansen
Darsteller:innen Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns, Lola Klamroth, Olga Prokot, Suzanne Ziellenbach, Marc Fischer, Markus Forg-Thelen, Patrick Joswig, Julia Schmitt, Wolfgang Klein, Ulrike Marx, Bettina Kaminski, Nicole Marischka, Petra Welteroth, Petra Zembka, Rainer Lubkowski
Ruan Lan-Xi wurde 1991 in China geboren und lebt seit 2015 in Berlin. Ihr Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) schloss sie 2025 ab. Neben ihrer Arbeit als Filmemacherin beschäftigt sie sich mit Fotografie und Text. Für ihren ersten Langfilm THE PLANT FROM THE CANARIES, bei dem sie Drehbuch, Regie, Schnitt und Produktion übernahm, feierte sie 2025 Premiere im Wettbewerb Concorso Cineasti del Presente des Locarno Film Festivals. Der Film wurde anschließend auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt und mehrfach ausgezeichnet.
Filmografie
Regie, Drehbuch & Schnitt:
2025 THE PLANT FROM THE CANARIES
2017 BACKSTAGE
2016 BUZZY BEE
Stand: 13.08.2026
Jurybegründung zur Nominierung:
THE PLANT FROM THE CANARIES vertraut auf die Kraft der Beobachtung. In ruhigen, sorgfältig komponierten Bildern erzählt der Film von Einsamkeit, Erinnerung und dem langsamen Prozess des Loslassens. Die langen Einstellungen verleihen dem Film nicht nur seine besondere visuelle Kraft, sondern geben den Figuren darüber hinaus Zeit und Raum, sodass jede noch so kleine Bewegung Bedeutung gewinnt. Zwischen Berlin und den Erinnerungen an Seoul entsteht eine stille Reflexion über Identität, Entwurzelung und das Leben zwischen verschiedenen Kulturen. Der Film fordert sein Publikum dazu auf, sich auf seinen Rhythmus einzulassen und wird gerade dadurch zu einer eindringlichen Erfahrung. Ein außergewöhnlich feinfühliger Film voller atmosphärischer Momente mit einer unverwechselbaren visuellen Bildkomposition.
THE PLANT FROM THE CANARIES
May, eine dreißigjährige Drehbuchautorin in Berlin, gerät aus dem Gleichgewicht, nachdem ihr Partner Ben ausgezogen ist. Sie beginnt eine Therapie und verlässt die Wohnung kaum noch. Schlaflose Nächte führen sie zurück zu Erinnerungen an ihre Jugend in Seoul, wo sie einmal einen streunenden Hund versorgte. Bei einem Spaziergang am See vertraut sie sich ihrer Freundin Nadine an. Dabei erkennt May, dass sie nicht nur die Trennung festhält, sondern Schwierigkeiten hat, Abschied zu nehmen.
Ausbildungsstätte: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Filmkategorie: Abendfüllender Spielfilm
Länge: 87 Minuten
Stab
Regie Ruan Lan-Xi
Produktion Ruan Lan-Xi
Drehbuch Ruan Lan-Xi
Kamera Jonathan Steil
Line Producer Francesca Co5afavi
Schnitt Ruan Lan-Xi
Sound Design Nils Plambeck
Mischtonmeister Lorenz Fischer
Regieassistenz Dominik Waldstätten
Über die Nominierungen in der Kategorie Abendfüllender Spielfilm hat die Spielfilmjury, bestehend aus Catherine Colas, Bella Halben, Philipp Kreuzer, Nele Mueller-Stöfen und Karl Schirnhofer entschieden.