Rosa Gocht
Eine Person mit welligem braunem Haar und ausdruckslosem Gesicht blickt direkt in die Kamera; sie trägt ein dunkles Hemd vor einem schlichten hellgrauen Hintergrund.
© Bruno Gocht

Rosa Gocht wurde 1998 in Dresden geboren und wuchs in Braunschweig auf. Nach einem Regiestudium an der Filmakademie Wien wechselte sie 2021 an die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF mit Schwerpunkt Dokumentarfilm. Dort schloss sie 2025 den Bachelor ab und studiert seitdem im Master Dokumentarfilmregie. Ihr autobiografischer Dokumentarfilm ICH ATME DIE GANZE ZEIT entstand in Koproduktion mit 3sat und wurde unter anderem beim Kasseler Dokfest, DOK.fest München und achtung berlin filmfestival gezeigt. In ihren dokumentarischen und fiktionalen Arbeiten setzt sich Rosa Gocht mit psychischen Erkrankungen, Erinnerung und der Konstruktion von Wirklichkeit auseinander.

Filmografie

Regie:

2026 HALLO DEBUS
2025 ICH ATME DIE GANZE ZEIT
2023 VISIT SLOVENIA
2022 ZIMMER 106

Stand: 13.08.2026

Jurybegründung zur Nominierung:

Wie fühlt sich Angst an, wenn sie zum ständigen Begleiter geworden ist? ICH ATME DIE GANZE ZEIT findet dafür eindrucksvolle filmische Bilder und macht einen inneren Zustand sichtbar, der sich jeder einfachen Beschreibung entzieht. Mit großer Offenheit verbindet Rosa Gocht autobiografische Selbstbefragung mit einer berührenden Annäherung an ihre Familiengeschichte. Besonders die Gespräche zwischen Mutter und Tochter entwickeln eine außergewöhnliche Ehrlichkeit und zeigen, wie eng psychische Erkrankungen mit familiären Prägungen verwoben sein können. Ein sehr persönlicher Film über Angst, Nähe und den schwierigen Versuch, einander wirklich zu verstehen.

ICH ATME DIE GANZE ZEIT

ICH ATME DIE GANZE ZEIT ist ein autobiografischer Dokumentarfilm über psychische Erkrankung und eine ambivalente Mutter-Tochter-Beziehung. Seit frühester Kindheit leidet Rosa unter Angstzuständen und Panikattacken. Während eines Familienurlaubs an der Ostsee versucht sie in Gesprächen mit ihrer Mutter, ihrem kleinen Bruder und ihrer Großmutter den Ursprung ihrer Krankheit zu verstehen. Stück für Stück öffnet sich eine Familiengeschichte zwischen Nähe und gegenseitiger Abhängigkeit, in der die Angst sich über mehrere Generationen von Frauen zieht.

Ausbildungsstätte: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Produktion: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, ZDF/3sat
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 34 Minuten

Stab

Regie Rosa Gocht
Produktion Felipa Goltz
Produktionsleitung Pauline Leubner
Kamera Hans Radetzki
Schnitt Nils Düren
Ton Eva Perháčová
Filmmusik Jan Glauser

Felix Länge
Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren und Bart trägt einen hellgrauen Pullover mit Reißverschluss und steht vor einem schlichten hellbeigen Hintergrund, wobei er sanft in die Kamera lächelt.

Felix Länge, geboren 1994 in Erfurt, ist Dokumentarfilmer und Kameramann. Er studierte Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Seine Arbeiten entstehen in engem Austausch mit den Protagonist:innen und widmen sich Fragen sozialer Gerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Konflikte. Im Mittelpunkt seiner dokumentarischen Arbeit stehen persönliche Perspektiven, filmische Nähe und eine klare erzählerische Haltung.

Filmografie

Regie:

2025 DRIVING EUROPE
2022 WHY WE JUGGLE
2019 PROHLIS
2017 KESSELROLLEN

Stand: 13.08.2026

Jurybegründung zur Nominierung:

DRIVING EUROPE richtet den Blick auf eine Realität, die mitten in Europa stattfindet und dennoch kaum sichtbar ist. Mit journalistischer Präzision begleitet der Film LKW-Fahrer, deren Arbeitskampf grundlegende Fragen nach Ausbeutung, Verantwortung und globalen Lieferketten aufwirft. Dabei beschränkt er sich nicht auf die Ereignisse des Streiks, sondern verfolgt seine Protagonisten bis in ihre Heimat und macht die persönlichen Folgen struktureller Ungerechtigkeit sichtbar. Die klare Dramaturgie und der sensible Einsatz von Musik verleihen der Erzählung zusätzliche emotionale Kraft. Ein hochaktueller Dokumentarfilm, der politische Zusammenhänge verständlich macht, ohne seine Protagonisten aus dem Blick zu verlieren.

DRIVING EUROPE

In der Nähe von Frankfurt treten 100 LKW-Fahrer aus Drittstaaten in den Streik – es ist einer der größten Arbeitskämpfe der europäischen Logistikbranche. Die Männer, angeworben von einem polnischen Unternehmer mit dem Versprechen fairer Arbeit, sind monatelang ohne Lohn unterwegs, oft ohne Geld für Essen oder Heimreise. Der Dokumentarfilm „Driving Europe“ begleitet die georgischen Fahrer durch ihren mutigen Protest und darüber hinaus – in ihre Heimat, in ihre Isolation und in ihren Kampf um Gerechtigkeit. Unterstützt von der niederländischen Gewerkschaft RTDD fordern sie Verantwortliche heraus, bis hin zu globalen Marken wie IKEA, DHL und Porsche. Der Film deckt auf, wie moderne Zwangsarbeit in den Schatten der Lieferketten verlagert wird – legalisiert durch komplexe Subunternehmerstrukturen. Zwischen Hoffnung und Ohnmacht dokumentiert der Film ein strukturelles Versagen – aber auch den Moment, in dem Menschen beginnen, sich zu wehren.

Ausbildungsstätte: Hochschule für Fernsehen und Film München
Produktion: Hochschule für Fernsehen und Film München, Bardamu Film GmbH
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 85 Minuten

Stab

Regie Felix Länge
Produktion Lennart Heidtmann, Artur Althen
Koproduktion Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF)
Verleih Cine Global
Kamera Matthias Kofahl
Schnitt Christoph Hans

Daniela Magnani Hüller
Eine Frau mit langen braunen Haaren, die einen grauen, strukturierten Pullover trägt, steht vor einem neutralen beigen Hintergrund und blickt selbstbewusst in die Kamera.
© Daniela Magnani Hüller

Die deutsch-brasilianische Filmemacherin Daniela Magnani Hüller wurde 1995 in München geboren. Nach einem Bachelorstudium in Medien und Kommunikation in Passau studiert sie seit 2019 Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Ihre Kurzfilme wurden international präsentiert und mehrfach ausgezeichnet. 2023 erhielt sie das Deutschlandstipendium, den DOK.Talent Award des DOK.fest München sowie den Stoffentwicklungspreis des Bundesfestivals junger Film. Ihr Langfilmdebüt WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT feierte 2026 Weltpremiere auf der Berlinale, wurde dort mit einer Lobenden Erwähnung der Dokumentarfilmjury ausgezeichnet und erhielt anschließend den Student Award des DOK.fest München sowie den Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke.

Filmografie

Regie & Drehbuch:

2026 WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT
2024 RAUSWACHSEN
2023 ARTHROCALYPSE
2022 DRIVING FORCE
2022 ATIDE
2020 FREI SEIN

Stand: 13.08.2026

Jurybegründung zur Nominierung:

Vierzehn Jahre nach einem versuchten Femizid kehrt Daniela Magnani Hüller an den Ausgangspunkt ihrer eigenen Geschichte zurück. Mit großer Klarheit richtet sie den Blick jedoch nicht allein auf das Erlebte, sondern auf die Menschen und Strukturen, die dieses Ereignis umgeben haben. Die zurückhaltende Inszenierung, die sachlichen Gespräche und die konsequente Distanz der Kamera verleihen dem Film eine besondere Kraft. Statt Schuldzuweisungen entstehen Fragen nach Verantwortung, Erinnerung und gesellschaftlichem Umgang mit Gewalt. Ein persönlicher und zugleich hochpolitischer Dokumentarfilm, der den Mut hat, komplexe Antworten auszuhalten.

WAS AN EMPFINDSAMKEIT BLEIBT

Vor vierzehn Jahren überlebte die Filmemacherin einen versuchten Femizid, verübt durch einen Mitschüler. In ihrem Film nähert sie sich den Erinnerungen von damals noch einmal an. Fragmentarische Szenen erzählen von Wärme und Zuversicht, aber auch von Kälte und Brutalität.
In einer vielfältigen Bildsprache eröffnet die Regisseurin ihre eigene Perspektive auf das Geschehen. Zwischen München und Rio de Janeiro sucht sie die Begegnung mit Menschen, die damals Teil ihres Umfelds waren: eine Lehrerin, eine Mitschülerin, ein Arzt, eine Kommissarin, ein Staatsanwalt, sowie ihre Halbschwester und eine Freundin in Brasilien. Die Gespräche werfen Fragen nach Verantwortung auf – von Einzelnen ebenso wie von den Strukturen, in denen sie handeln.

Ausbildungsstätte: Hochschule für Fernsehen und Film München
Produktion: Hochschule für Fernsehen und Film München, Bildersturm Filmproduktion
Verleih Real Fiction
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 91 Minuten

Stab

Regie Daniela Magnani Hüller
Produzent:in Birgit Schulz, Bildersturm Filmproduktion GmbH
Drehbuch Daniela Magnani Hüller
Co-Autor:in Voice Over Beatrix Rinke
Kamera Noah Böhm
Schnitt Melanie Jilg
Originalton Nadja Ißler, Diego Oliva Tejeda
Produktionsleitung München Daniela Magnani Hüller
Line Producerin Brasilien Miriam Gerber
Producer:in / Produktionsleitung Monika Mack
Herstellungsleitung Mario von Grumbkow
Sounddesign & Mischung Andrew Mottl
Colorgrading & Bild Postproduktion Johan Nurmilehto
Titeldesign Sanel Pelko
VFX Nicolai Kovács
Music Supervisor Jens Quandt
Redakteur:in Melvina Kotios, ZDF Das kleine Fernsehspiel

Karola Pfaffinger
Eine Frau mit langen braunen Haaren, die Creolen und ein schwarzes Oberteil trägt, blickt vor einem neutralen Hintergrund selbstbewusst in die Kamera.
© Jana Rothe

Karola Pfaffinger ist Filmemacherin und Regisseurin und lebt in Hamburg und Oberbayern. Nach einem kulturwissenschaftlichen Studium an der Georg-August-Universität Göttingen absolvierte sie den Bachelor an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Derzeit arbeitet sie im Masterstudium an einem experimentellen Dokumentarfilm über die feministische Umcodierung von Brauchtum. Ihre Arbeiten verbinden ethnologische und dokumentarische Methoden mit einer offenen filmischen Form und beschäftigen sich mit gesellschaftlichen, kulturellen und patriarchalen Strukturen. Darüber hinaus ist Karola Pfaffinger Mitbegründerin des queer-feministischen Kuratierungs-Kollektivs screen*in.

Filmografie

Regie:

2026 SEHR GEEHRTE HERRIN
2023 LUCÍA
2022 THERMOPLASTISCHE ELASTOMERE

Stand: 13.08.2026

Jurybegründung zur Nominierung:

SEHR GEEHRTE HERRIN blickt mit großer Selbstverständlichkeit auf einen Beruf, der allzu häufig von Klischees überlagert wird. Ohne zu bewerten oder zu skandalisieren, begleitet der Film seine Protagonistin durch ihren Arbeitsalltag. Der bewusste Verzicht auf Sensationslust eröffnet neue Perspektiven auf ein gesellschaftlich stark aufgeladenes Thema. Dass dies so überzeugend gelingt, ist nicht zuletzt der herausragenden Protagonistin zu verdanken, zu der die Filmemacherin einen bemerkenswerten Zugang gefunden hat. Die präzise Bildgestaltung unterstreicht die Klarheit dieses Blicks und macht aus den scheinbar routinierten Abläufen ein eindrucksvolles Porträt von Professionalität, Verantwortung und Selbstbestimmung. Ein kluger, konzentrierter Dokumentarfilm, der seine Kraft aus der Genauigkeit seiner Beobachtung und der außergewöhnlichen Nähe zu seiner Protagonistin schöpft.

SEHR GEEHRTE HERRIN

Evelyn betreibt seit über 10 Jahren ihr eigenes Bordell und SM-Studio. Der Film erkundet ihren Arbeitsalltag im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Stigmatisierung. Neben präzisen Beschreibungen sexueller Wünsche erzählt Evelyn von Stammkundschaft, „Pornosex“ und der Reaktion ihrer Großeltern.

Ausbildungsstätte: Hochschule für Bildende Künste Hamburg
Produktion: Hochschule für Bildende Künste Hamburg
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 53 Minuten

Stab

Regie Karola Pfaffinger
Kamera Bo Friedrich
Schnitt Karola Pfaffinger
Sound & Mixing Daniel Schmidle
Farbkorrektur Judith Zastrow
Titeldesign Maxime Lequeux
Poster Design Burcu Yıldız

Paul Sonntag
Eine Person mit kurzen, dunklen Haaren, die ein dunkelblaues Hemd trägt, steht vor einem schlichten, hellen Hintergrund und blickt mit neutralem Gesichtsausdruck direkt in die Kamera.
© Katja Feldmeier

Paul Sonntag arbeitet als Kameraperson und Regisseur. Geboren in Berlin studierte Paul Sonntag Architektur und Fotografie in New York sowie Kamera und Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. In der filmischen Arbeit stehen das Verhältnis von Arbeit, Landschaft und gesellschaftlichem Raum im Fokus. Der Abschlussfilm NICHTS BLEIBT UND NICHTS VERSCHWINDET wurde beim Sehsüchte Festival ausgezeichnet.

Filmografie

Regie, Drehbuch & Kamera:

2026 NICHTS BLEIBT UND NICHTS VERSCHWINDET

Stand: 13.08.2026

Jurybegründung zur Nominierung:

Ein Supermarkt, eine Baustelle und die Menschen, die diesen Ort prägen: NICHTS BLEIBT UND NICHTS VERSCHWINDET macht aus einem alltäglichen Schauplatz einen Mikrokosmos gesellschaftlicher Veränderung. Mit großer Geduld erschließt sich der Film seinem Publikum erst nach und nach und entwickelt dabei eine außergewöhnliche erzählerische Tiefe. Eine Langzeitbeobachtung über fünf Jahre, in der die Bilder das Erzählen übernehmen, sich in Zeitschichten übereinanderlegen und einen Raum für Gedanken über Arbeit, Erinnerung und Vergänglichkeit eröffnen. Formal eigenständig und mit feinem Humor beobachtet der Film Veränderungen, die weit über den konkreten Ort hinausweisen. Ein bemerkenswert klug komponierter, präziser Dokumentarfilm von unglaublicher Weitsicht.

NICHTS BLEIBT UND NICHTS VERSCHWINDET

Eine Straßenecke in Berlin-Moabit verändert sich: Aus einem alternden Supermarkt wird eine Baustelle und dann ein Neubau. Regale werden eingeräumt, Wände abgerissen, Pause gemacht und Geld gezählt. Die Menschen, die hier arbeiten, lassen den Ort entstehen. In welcher Beziehung stehen sie zu ihm? Wie bestimmt er die Umstände ihrer Arbeit? NICHTS BLEIBT UND NICHTS VERSCHWINDET überlagert die verschiedenen Versionen des Ortes und lässt sie zwischen Kühlregal, Baugerüst und Sichtbeton gleichzeitig stattfinden. Mal spielerisch, mal gespenstisch, kommen dabei Wiederholungen zum Vorschein, wie Echos zwischen den Welten.

Ausbildungsstätte: Filmakademie Baden-Württemberg
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 79 Minuten

Stab

Regie Paul Sonntag
Produktion Oscar Meyer-Ricks, Judith Frahm Paul Sonntag
Drehbuch Paul Sonntag
Kamera Paul Sonntag
Schnitt Katrin Ebersohn
Tongestaltung Jan Brett
Originalton Jona Hamann
Dramaturgische Beratung Sophie Korschildgen
Filmmusik Fabian Kalker
Geräuschemacher Steffen Flach
Betreuender Dozent Thomas Schadt

Über die Nominierungen in der Kategorie Dokumentarfilm hat die Jury, bestehend aus Hans Block, Bettina Böhler, Klemens Hufnagl und Ira Tondowski entschieden.