Dokumentarfilm
Ahmed “Madi“ Awadalla ist Autor, Historiker und transdisziplinärer Künstler aus Ägypten. In seiner Arbeit geht es um Körper, Grenzen und Erinnerungspolitik – erzählt durch Film, Performance und Text. Er verbindet persönliche und kollektive Erinnerungen mit Archivrecherchen und tradiertem Wissen, um dominante Erzählweisen zu hinterfragen. Seine künstlerische Praxis ist eng verbunden mit langjähriger Erfahrung in Community-Arbeit, Bildungsprojekten und gesundheitlicher Aufklärung.
Filmografie (Auswahl)
Regie & Drehbuch:
2026 OUT OF BOUNDS (in Entwicklung)
2024 QUEER EXILE
Stand: 21.08.2025
Jurybegründung zur Nominierung:
QUEER EXILE ist pur und authentisch. Ein essayistischer Kurzfilm, der mit einfachen Mitteln eine außergewöhnliche Tiefe erreicht. In nur wenigen Minuten gelingt es dem Filmemacher, eine persönliche Geschichte zu erzählen, die zugleich universelle Fragen über Exil, Identität und Zugehörigkeit aufwirft. Mit großer Offenheit und erzählerischer Freiheit führt der Film sein Publikum in einen inneren Konflikt zwischen Herkunft und Ankommen, zwischen Zugehörigkeit und Entfremdung. Dabei verzichtet er auf Selbstmitleid und gewinnt genau dadurch an besonderer Kraft. Klug inszeniert, vielschichtig im Aufbau und rhythmisch wunderbar ausgewogen.
QUEER EXILE
Nach seiner Flucht aus Ägypten infolge der Revolution kommt ein exilierter Aktivist in Berlin an – auf der Suche nach Sicherheit, ringend nach Atem. Doch bevor er ihn fassen kann, wird er in ein Flüchtlingslager gebracht – nur wenige Schritte entfernt von rechten Kundgebungen, die seine Abschiebung fordern. Gefangen zwischen dem, wovor er geflohen ist, und dem, wo er nun gestrandet ist, muss er sich dem Preis der Flucht, dem Schmerz der Erinnerung und der Frage stellen, was Freiheit wirklich bedeutet.
Ausbildungsstätte: Freie Einreichung
Produktion: Freie Einreichung
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 10 Minuten
Drehformat: Canon EOS R5 HD (1080p)
Stab
Regie Ahmed “Madi“ Awadalla
Drehbuch Ahmed “Madi“ Awadalla
Produktion Ahmed “Madi“ Awadalla
Kamera Ahmed “Madi“ Awadalla, Julian Curico
Schnitt Julian Curico
Tongestaltung Banu Çiçek Tülü
Musikc Aaro, ENANA
Poster Design Siwar Zulfiqar
Motion Design Maksim Mau
Matthias Lintner, geboren 1987 in Bozen (Südtirol), ist Regisseur und Dokumentarfilmer. Nach einem Abschluss in Grafikdesign studierte er Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Seine Arbeiten verbinden dokumentarische Beobachtung mit spielerischer Inszenierung und beleuchten gesellschaftliche wie politische Umbrüche aus persönlicher Perspektive, oft durch seine eigene Präsenz vor der Kamera. Sein Langfilmdebüt PROPERTY lief auf internationalen Festivals, u. a. CPH:DOX. In MY BOYFRIEND EL FASCISTA, der seine Premiere bei HOT DOCS in Toronto feierte, verknüpft er eine Liebesgeschichte mit den politischen Spannungen gegensätzlicher Weltanschauungen. Neben seiner künstlerischen Arbeit engagiert er sich in der filmischen Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen und ist Mitbegründer des Kurzfilmfestivals „Astra La Vista“, das jungen Filmschaffenden aus Südtirol eine erste öffentliche Plattform bietet.
Filmografie (Auswahl)
Regie & Drehbuch:
2024 MY BOYFRIEND EL FACISTA
2019 PORPERTY
2015 DIE LUST
2015 GEFÜHLE, DIE SONST NICHT ENTHÜLLT WORDEN WÄREN
2014 COMFORT ZONE
Stand: 21.08.2025
Jurybegründung zur Nominierung:
Was passiert, wenn Liebe und politische Überzeugung in unversöhnlichen Widerspruch geraten? In MY BOYFRIEND EL FASCISTA erzählt der Regisseur mit schonungsloser Offenheit von seiner Beziehung zu einem Mann mit sich zunehmend verstärkenden rechtspopulistischen Ansichten. Die Kamera bleibt konsequent nah, beobachtet mit großer Ruhe und ohne Voyeurismus. Es entstehen hochspannende, manchmal schwer auszuhaltende Szenen, die gleichzeitig Witz, Selbstironie und tiefe emotionale Ehrlichkeit zeigen. Der Film führt nie vor, sondern lässt Raum für Nuancen, Reibung, Entwicklung. Das Ergebnis ist ein filmischer Balanceakt zwischen Nähe und Distanz, zwischen Schmerz und Leichtigkeit, zwischen Liebe und politischem Abgrund. Und gerade deshalb so universell.
MY BOYFRIEND EL FASCISTA
Vor der eindrucksvollen Kulisse der Alpen erleben Matthias und Sadiel eine Liebesgeschichte im Schatten politischer Extreme. Enttäuscht vom kommunistischen Kuba, wendet sich Sadiel nach rechts, während Matthias seiner linken Gesinnung treu zu bleiben versucht. Ihre Beziehung spiegelt größere gesellschaftliche Konflikte wider und stellt sowohl politische Überzeugungen als auch die Vorstellung einer idealen queeren Partnerschaft auf die Probe. MY BOYFRIEND EL FASCISTA ist ein intimes filmisches Tagebuch über Liebe, Ideale und die Frage, wie lange man jemandem folgen kann, wenn er sich radikal verändert.
Ausbildungsstätte: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Produktion: Helios Sustainable Films, Mariquitas Film, in Zusammenarbeit mit Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin,
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 95 Minuten
Drehformat: 4K
Stab
Regie Matthias Lintner
Producer Martin Rattini
Ko-Produzent Matthias Lintner
Junior Producer Daria Akimenko
Kamera Matthias Lintner
Tongestaltung Stefano Bernadi, Matilde Ramini (Assistant)
Schnitt Ginés Olivares
Intern Anna Ciju
Musik Davide Rocco Fiorenza, Maykol Tortoló
Color Grading Silvia Pozzi
Graphik Design Anna Laumer, Anna Koben
Postproduction Coordinator Otis Buri
Green Consultant Georg Zeller
Darsteller Sadiel Gonzalez Gutierrez, Matthias Lintner
Huy Nguyễn studierte Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und absolvierte 2025 sein Referendariat am Kammergericht. Parallel dazu nahm er 2021 und 2024 am ersten und dritten Jahrgang des Filmbildungsprogramms „Dreh’s Um“ teil. Dort entstand auch sein dokumentarischer Kurzfilm ZUHAUSE IST DORT, WO DIE STERNFRÜCHTE SAUER SIND. Seit 2025 arbeitet er in einer Kanzlei für Asyl- und Aufenthaltsrecht. In seiner filmischen Arbeit widmet er sich unterrepräsentierten Perspektiven aus der vietnamesischen Diaspora, die er derzeit in einem neuen dokumentarischen Projekt zu beleuchten sucht.
Filmografie (Auswahl)
Regie:
2024 ZUHAUSE IST DORT, WO DIE STERNFRÜCHTE SAUER SIND
Stand: 21.08.2025
Jurybegründung zur Nominierung:
ZUHAUSE IST DORT, WO DIE STERNFRÜCHTE SAUER SIND nähert sich den großen Themen von Heimat, Zugehörigkeit und familiärer Verbindung auf tief persönliche Weise. Der Regisseur begibt sich auf eine leise, aber eindrucksvolle Spurensuche zwischen Deutschland und Vietnam. Er nähert sich seiner eigenen Familiengeschichte, ohne sie zu erklären, sondern indem er genau hinsieht, hinhört. Seine Gespräche und Alltagsbeobachtungen mit den Großeltern werden zum emotionalen Dreh- und Angelpunkt für eine stille Annäherung an die elterliche Generation und an die Fragen nach Identität, kultureller Prägung und Zugehörigkeit. Interkulturellen Unterschieden und Sprachbarrieren begegnet er souverän und meistert diese mit Leichtigkeit.
Mit poetischer Klarheit, viel emotionalem Feingefühl und großer visueller Haptik gelingt ein filmisches Porträt, das sich tief ins Gedächtnis schreibt. Ein bemerkenswerter Dokumentarfilm über das Sprechen ohne Worte, familiäre Distanzen und die Kraft leiser Begegnungen.
ZUHAUSE IST DORT, WO DIE STERNFRÜCHTE SAUER SIND
In Huys Familie gibt es viele unausgesprochene Dinge. Warum wurde kaum darüber gesprochen, wie die Migrationsgeschichte seiner Eltern die unterschiedlichen Generationen beeinflusst hat? Wieso ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern so kompliziert? Welche Barrieren stehen zwischen den Generationen? Um Antworten zu finden, reist Huy nach Vietnam, zu seinen Großeltern. Zwischen gemeinsamen Mahlzeiten, alltäglichen Routinen und vorsichtigen Gesprächen erkundet Huy den Raum zwischen unausgesprochenen Erwartungen, der Sehnsucht nach Verbundenheit und dem Gewicht des Schweigens. Eine Suche nach Verständigung über Generationen hinweg, zwischen zwei Welten, zwischen Nähe und Fremdheit – und letztlich zu sich selbst.
Ausbildungsstätte: Freie Einreichung
Produktion: Freie Einreichung, Dreh’s Um Produktion
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 24 Minuten
Drehformat: 4k
Stab
Regie Huy Nguyễn
Produktion Đức Ngô Ngọc, Sarah Noa Ngô Ngọc
Kamera Tony Bùi, Đức Ngô Ngọc & Hiền Võ (zusätzliche Kamera)
Ton Hiền Nguyễn
Montage Laura Espinel, Tony Bùi, Hiền Nguyễn
Colorist Khôi Châu
Musik Bảo Nguyễn
Sound Design und Mischung Johann Niegl
Untertitel Huy Nguyễn
Übersetzung Miki Dỗ, Trương Hồng Quang
Set Fotografie Lan Mi Lê, Đức Ngô Ngọc
Kristina Shtubert, in der russischen Stadt Orsk geboren, wuchs in Moskau auf. Während ihres Psychologiestudiums an der staatlichen Lomonossow-Universität besuchte sie Filmregie-Kurse bei Alexander Proshkin. 2010 begann sie ihr Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie DFFB. Von November 2020 bis August 2021 studierte sie parallel auch an der Moscow School of New Cinema. Ihr Kurzfilm ELISA wurde auf über 40 internationalen Festivals gezeigt und erhielt Auszeichnungen für Kamera und Schauspiel. Derzeit arbeitet Kristina Shtubert an ihrem Kurzfilm FÜNF GRAUE DOGGE (AT) und an dem Drehbuch ihres Spielfilmdebüts LEA (AT). SONNENSTADT ist ihr Abschlussfilm an der DFFB.
Filmografie (Auswahl)
Regie & Produktion:
2024 SONNENSTADT
2016 ELISA
Regie:
2011 KARUSSELL
Stand: 21.08.2025
Jurybegründung zur Nominierung:
Wohin geht man, wenn man die Welt als unübersichtlich und falsch empfindet? In der Langzeitbeobachtung SONNENSTADT begleiten die Zuschauer:innen eine spirituelle Gemeinschaft in der sibirischen Taiga, die sich an der Utopie einer neuen Gesellschaft versuchen. Statt den Fokus auf den charismatischen Anführer zu legen, stellt der Film die Fragen hinter der Faszination: Wer sucht solche Orte auf und warum?
Eine besondere Stärke liegt im außergewöhnlichen Zugang der Regisseurin zu einer spirituellen Gemeinschaft und zu den Menschen, die sich ihr anvertrauen. Mit bemerkenswerter Ausdauer und Offenheit gelingt es ihr, über zehn Jahre ein tiefes Vertrauen zu den Menschen aufzubauen. Beobachtend und handwerklich überzeugend entfaltet sich eine filmische Reise, die zwischen Abenteuer und Analyse changiert.
SONNENSTADT
Wohin geht man, wenn man die Welt als unübersichtlich und falsch empfindet? Kann man ihr entfliehen und etwas Neues beginnen? Die Langzeitbeobachtung begleitet über ein Jahrzehnt eine Reihe von Menschen, die sich in der sibirischen Taiga an der Utopie einer neuen Gesellschaft versuchen. Einige sind Anhänger einer Glaubensgemeinschaft, deren Anführer sich als Sohn Gottes auf Erden versteht. Er nennt sich Wissarion. Seit den 1990er Jahren bauen seine Anhänger hoch oben auf einem entlegenen Berg an einer Siedlung für die Gesellschaft der Zukunft: Sonnenstadt – Ideal eines Ortes. Wissarion selbst bleibt am Rande der Erzählung, denn wie Planeten um die Sonne, so kreisen Leben und Schicksal dieser Menschen um Wissarion, nahezu ohne ihm eigentlich zu begegnen. Der Fokus des Films liegt auf den an die Sonnenstadt angrenzenden Dörfern, in denen die meisten Anhänger leben. Viele sind Russen, aber auch Deutsche sind Wissarions Ruf nach Sibirien gefolgt. Fragmente und Szenen aus dem Leben der Bewohner fügen sich zu einem Mosaik. Tritt man zurück, ergibt sich das schillernde Gesamtbild dieses Ortes in seiner Vielfalt. Der Film fragt nicht: Ist Wissarion Gottes Sohn? Er fragt vielmehr: Sind die Menschen hier glücklicher als an dem Ort, von dem sie kamen?
Ausbildungsstätte: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 105 Minuten
Drehformat: Sony 7D, Canon C300, Canon C70
Stab
Regie Kristina Shtubert
Produktion Kristina Shtubert
Konzept Kristina Shtubert & Hanna Mayser
Bildgestaltung Hanna Mayser
Montage Dietmar Kraus, Calle Overweg, Adrienne Hudson
Supervising Sound Editor & Sounddesign Sasha Valent
Mischung Alex Leser
Colorist Dirk Meier
Fabienne Steiner wurde 1984 in Johannesburg, Südafrika geboren. Nach einem Studium in visueller Kommunikation war sie einige Jahre als Grafikerin tätig. 2020 schloss sie ihr Bachelorstudium an der ZHdK im Bereich Film ab und war seither für diverse Kamera- und Regiearbeiten bei Dokumentar- und Kurzfilmen tätig. 2025 folgte ihr Masterabschluss an der ZHdK im Bereich „Realisation Dokumentarfilm“.
Filmografie (Auswahl)
Regie & Kamera:
2025 FITTING IN
Kamera:
2024 DER WERT DER DINGE
2018 KLEINWALD
2017 KLEINGOLF
Stand: 21.08.2025
Jurybegründung zur Nominierung:
FITTING IN gibt einen eindrucksvollen Einblick in eine sonst verschlossene Welt: Die Regisseurin taucht ein in die Eliteuniversität Stellenbosch in Südafrika und erzählt von den tiefen Schatten kolonialer und patriarchaler Strukturen. Mit poetischer Bildsprache, viel Nähe zu den Protagonisten und einer ruhigen, klugen Dramaturgie entfaltet sich ein Film, der persönliches Erleben und gesellschaftliche Prozesse eindrucksvoll verbindet und zugleich zeigt, wie kleinschrittig Veränderungsprozesse umgesetzt und die Schrecken der Vergangenheit nur langsam aufgearbeitet werden. Ein sensibel beobachteter, politisch relevanter Dokumentarfilm, der nachhallt.
FITTING IN
An der südafrikanischen Elite-Universität Stellenbosch beginnt ein neues Studienjahr. Junge Erwachsene aus allen Gesellschaftsschichten und Kulturkreisen Südafrikas erwartet viel mehr als nur ein Bett im Männerwohnheim «Eendrag». Fortan ist ihr Alltag von den kolonialen Traditionen einer verschworenen Gemeinschaft geprägt. Sie navigieren zwischen persönlichem Wachstum, kulturellen Unterschieden und einer allgegenwärtigen Vergangenheit.
Ausbildungsstätte: Züricher Hochschule der Künste
Produktion: Züricher Hochschule der Künste, point de vue
Filmkategorie: Dokumentarfilm
Länge: 84 Minuten
Drehformat: 2K
Stab
Regie Fabienne Steiner
Kamera Fabienne Steiner
Buch Michael Bolliger, Fabienne Steiner
Ton Michael Bolliger
Montage Michael Bolliger, Fabienne Koch, Elias Jutzet
Sound Design Thomas Rechberger
Musik Moritz Widrig, Joachim Flüeler
Mischung Thomas Rechberger, Martin Scheuter
Ausführender Produzent Jonas Schaffter
Produktion point de vue
Co-Produktion mit Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, Schweizer Radio und Fersehen SRF, Unexplored Realities
Kommissions Editor SRF Urs Augstburger
Herstellungsleitung ZHdK Filippo Bonacci
Leitung MA Dokumentarfilm ZHdK Sabine Gisiger
Leitung Film ZHdK Sabine Boss
Über die Nominierungen in der Kategorie Dokumentarfilm hat die Jury, bestehend aus Melanie Andernach, Hans Block, Bettina Böhler, Anna Dushime und Julian Krubasik entschieden.