Lisa Brunke
Eine Person mit heller Haut und glattem, zurückgebundenem braunem Haar trägt ein schwarzes Oberteil und mehrlagige Halsketten und steht vor einem Hintergrund mit sanftem Blauverlauf. Sie hat einen neutralen Gesichtsausdruck und blickt nach vorne.
© Sinah Käding

Lisa Brunke, 1991 in Düsseldorf geboren, studierte Journalismus und Soziologie, wechselte für ein Filmstudium an die Baltic Film and Media School und begann schließlich 2019 ihr Drehbuchstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Dort schrieb sie unter anderem das Drehbuch zum mittellangen Film STÖRENFRIEDA, der 2022 beim Filmfestival Max Ophüls Preis uraufgeführt wurde. Im selben Jahr wurde ihr zweiter Kurzfilm WÜRDENBEWAHRERIN nach seiner Premiere beim Internationalen Filmfestival Hof für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert. Beide Verfilmungen waren auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals zu sehen. Mit ihrer Dramedy-Serie „Cured“ nahm sie 2023 an CANNESERIES Unlimited teil und wurde dort als Gewinnerin ausgezeichnet. Aktuell schreibt sie an den Drehbüchern zur ersten Staffel der Serie.

Filmografie (Auswahl)

Drehbuch:

2025 „CURED“
2024 BACKFISH (unverfilmt)
2021 WÜRDENBEWAHRERIN
2021 STÖRENFRIEDA

Stand: 21.08.2025

Jurybegründung zur Nominierung:

Mit feiner stilistischer Sorgfalt und erzählerischem Mut nähert sich das Drehbuch zu BACKFISH dem schwierigen Thema von männlichem Missbrauch durch eine erwachsene Frau aus der Perspektive eines Jugendlichen. Was als Coming-of-Age-Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einem bemerkenswert gearbeiteten Drama über Grenzen, Schweigen und Scham. Die Autorin schafft es, die Perspektive der Hauptfigur ernst zu nehmen und dabei auch den Nebenfiguren durch Ambivalenzen Tiefe zu verleihen. Die Erzählweise ist zurückhaltend und sensibel, dabei stets spannungsvoll. Ein vielschichtiges, dramaturgisch herausragendes Drehbuch, das nachhallt.

BACKFISH

Der vierzehnjährige Sami fährt mit einer Jugendgruppe aus Duisburg an die Nordseeküste. Zwischen der Bewunderung für seinen älteren Bruder Téo und der kindlichen Freundschaft zu Freundin Derya sucht er seinen Platz in der Gruppe. Als er erwischt wird, wie er für Téo einen Generalschlüssel stiehlt, wird er von einem Tagesausflug ausgeschlossen und lernt dabei die Rezeptionistin Valentina (31) kennen. Sie hört ihm zu, umsorgt ihn und zeigt ihm zum ersten Mal das Meer. Ihre Aufmerksamkeit verschafft Sami endlich auch die langersehnte Anerkennung seines Bruders. Doch die Beziehung zu Valentina wird immer intensiver, manipulativer und schließlich auch sexuell. Sami kann das Erlebte nicht richtig einordnen, zumal alle ihn für seine ‚Eroberung’ feiern. Er gerät in eine Abwärtsspirale aus toxischen Männlichkeitsritualen und Selbstverletzungen und erst durch Deryas Freundschaft beginnt er langsam zu verstehen, was ihm angetan wurde.

Ausbildungsstätte: Filmakademie Baden-Württemberg
Filmkategorie: Spielfilmdrehbuch
Länge: 100 Minuten

Jessica Lind
Eine Frau mit heller Haut und dunklem, nach hinten gestecktem Haar blickt mit neutralem Ausdruck direkt in die Kamera und trägt einen braunen Mantel. Der Hintergrund ist mit blauen und blaugrünen Tönen verschwommen.
© Pamela Rußmann

Die Drehbuchautorin und Schriftstellerin Jessica Lind studierte an der Filmakademie Wien und schrieb gemeinsam mit der Regisseurin Magdalena Lauritsch das Drehbuch zum Film RUBIKON. 2015 gewann sie mit der Erzählung „Mama“ den open mike, woraus ihr gleichnamiger Debütroman hervorging. Ihr zweiter Roman, „Kleine Monster“, erschien im Herbst 2024 bei Hanser Berlin und war für den österreichischen Buchpreis nominiert.

Filmografie (Auswahl)

Drehbuch:

2024 DER TAG, AN DEM DER REGEN KAM (unverfilmt)
2022 RUBIKON. Regie: Magdalena Lauritsch

Stand: 21.08.2025

Jurybegründung zur Nominierung:

Drei miteinander verwobene Episoden kreisen um ein traumatisches Ereignis und beleuchten, mit Bedacht, wie Lebensentscheidungen, bewusst oder unbewusst, über Generationen fortwirken. Das Buch verzichtet auf einfache Antworten, setzt Leerstellen gezielt ein und wagt sich in moralische Grauzonen vor, die das Publikum zum Nachdenken und Diskutieren anregen. In der Form ebenso wie im Inhalt beweist das Drehbuch eine beeindruckende Reife und erzählerische Eigenständigkeit. Mit spürbarer Souveränität für die psychologische Tiefe von Figuren, weitsichtigen Dialogen und einer komplexen Erzählstruktur offenbart das Drehbuch zu DER TAG, AN DEM DER REGEN KAM eine eindrucksvolle Reflexion über Schuld, Verlust und familiäre Verstrickung und die Frage, ob sich das scheinbare Schicksal aktiv beeinflussen lässt.

DER TAG, AN DEM DER REGEN KAM

Drei Episoden ranken sich um den mysteriösen Unfalltod der dreijährigen Lea. Das Mädchen verschwindet eines Nachts aus ihrem Zimmer und ertrinkt in einem drei Kilometer entfernten Bach. Während Hannah, Leas junge Mutter, scheinbar darüber hinwegkommt, lässt der Nachbarin der Vorfall keine Ruhe. Noch im Trauerprozess bemerkt Hannahs siebzehnjährige Schwester, dass sie schwanger ist. Obwohl alles für eine Abtreibung spricht, behält sie das Kind. Jahre später kommt es zwischen Hannah und ihrer Nichte zur Konfrontation. „Der Tag, an dem der Regen kam“ ist ein Film über die Entscheidungen, die unser Leben beeinflussen. In welchen Momenten werden die Weichen unseres Schicksals gesetzt?

Ausbildungsstätte: Filmakademie Wien
Filmkategorie: Spielfilmdrehbuch
Länge: 90 Minuten

Agnes Maagaard Petersen
Eine Person mit kurzem, dunklem, struppigem Haar und hellen Augen trägt ein weißes Hemd und einen baumelnden Ohrring und blickt vor einem blauen Hintergrund mit Farbverlauf in die Kamera.

Die dänische Drehbuchautorin Agnes Maagaard Petersen studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Gemeinsam mit Regisseurin Sarah Miro Fischer ist das Drehbuch zu SCHWESTERHERZ entstanden. Derzeit besucht sie die alternative Filmschule Super16 in Valby, Kopenhagen und entwickelt ihren nächsten Spielfilm.

Filmografie (Auswahl)

Drehbuch:

2025 SCHWESTERHERZ (in Ko-Autorinnenschaft mit Sarah Miro Fischer)
2025 MÅSKE I MARTS / MAYBE IN MARCH
2021 UNKRAUT / THE SKY IS A SQUARE

Stand: 21.08.2025

Jurybegründung zur Nominierung:

Das Drehbuch zu SCHWESTERHERZ überzeugt durch seine emotionale Wucht, seine psychologische Tiefe und die körperliche Unmittelbarkeit seines Erzähltons. Das Buch lässt Raum, es atmet, es zeigt das Richtige und lässt ebenso bewusst aus, was sich der Interpretation des Publikums öffnen darf. Mit spürbarem dramaturgischem Feingefühl stellt es die Lesenden vor eine zentrale moralische Frage: Wie weit reicht Loyalität in der Familie, wenn das Vertrauen bricht? Die Hauptfigur Rose ist fein gezeichnet, ihre inneren Konflikte sind präzise beobachtet und werden in erzählerischer Klarheit spürbar. Ein bemerkenswertes Drehbuch, das mit seiner Konzentration und Entschiedenheit zur Ambivalenz überzeugt.

SCHWESTERHERZ

Nach einer Trennung sucht Rose einen Neuanfang bei ihrem älteren Bruder Sam in Berlin. Die beiden teilen einen vertrauten Alltag, kleine Rituale, alte Erinnerungen. Doch das zerbrechliche Gleichgewicht gerät ins Wanken, als Sam eines Tages einer schwerwiegenden Anschuldigung gegenübersteht. Für Rose beginnt ein stiller innerer Kampf: Zwischen dem Wunsch, ihrem Bruder zu glauben, und der wachsenden Unsicherheit, was tatsächlich passiert ist, muss sie ihren eigenen moralischen Kompass neu ausrichten. Während draußen das Leben weiterrauscht, verdichten sich im Mikrokosmos ihrer Wohnung die Fragen nach Wahrheit, Loyalität und Verantwortung.

Ausbildungsstätte: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Filmkategorie: Spielfilmdrehbuch
Länge: 96 Minuten

Stab

Regie Sarah Miro Fischer
Produzentinnen Janna Fodor, Nina Bayer-Seel
Drehbuch Agnes Maagaard Petersen, Sarah Miro Fischer
Kamera Selma von Polheim Gravesen
Szenenbild Alina Iman Dunker
Schnitt Elena Weihe
Ton Alexander Feldman (O-Ton), Jakob Mäsel (Sounddesign), Lorenz Fischer (Mischtonmeister)
Musik Francesco Olmo Lo Guidice
Kostüm Polina Shpazhnikova
Maske Elliot de Jahnsen
Darsteller:innen Marie Bloching, Anton Weil, Proschat Madani, Jane Chirwa, Laura Balzer, Aram Tafreshian, David Vormweg, Giamo Röwekamp, Julie Savery, Franziska von Harsdorf

Über die Nominierungen in der Kategorie Drehbuch hat die Jury, bestehend aus Constantin Lieb, Stefanie Ren, Irene von Alberti entschieden.