Jurybegründung

Der diesjährige Jahrgang zeigt Figuren und Welten zwischen dem Gestern, Heute und Morgen, in einem Spannungsfeld aus Sein und Schein, in Legalität und Illegalität, als Individuen oder Gemeinschaft. Auf intelligente, feine, politische, gesellschaftliche, berührende, verstörende und aufwühlende Art und Weise gezeichnet, zeugen davon nicht zuletzt die drei Nominierten für den abendfüllenden Spielfilm.

Darunter „The Trouble With Being Born“ von Sandra Wollner der Androiden als Hauptfiguren durch lose Erinnerungen und verdrängte Traumata folgt. Hinein in tiefe Abgründe voller Schönheit, Sehnsucht und Schmerz. Im ständigen Wechsel zwischen verstörender Realität und futuristischen Romantizismus. Ein sehr eigener, aufwühlender aber auch einfühlsamer Film, der uns unausweichlich mit den großen Fragen des menschlichen Seins konfrontiert. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Damit muss sich auch die Figur des Carlos Kindermann in „Der Wert der Erde“ von Juan Mora Cid auseinandersetzen. In einer sehr nahbaren, feinfühligen, authentischen und unprätentiösen Ästhetik, erzählt er uns eine Geschichte über Recht und Unrecht, über Heimat und das Gefühl, das Richtige zu tun, auch wenn es erstmal nicht so scheint. Für Florian Dietrichs Figuren in „Toubab“ haben diese Begriffe einen gewissen Interpretationsspielraum. Denn als Babtou in den Senegal ausgewiesen werden soll, sind er und sein Kindheitsfreund Dennis zu allem bereit, um die Abschiebung zu verhindern. Damit beginnt ihre rührende bromantic Comedy, die von Loyalität, Zugehörigkeit, Diversität und Heimat erzählt. Eine Heimat, die im Menschen inne wohnt. Damit ist ihm eine sehr unterhaltsame, in gleichem Maße politische und tiefgründige Erzählung gelungen, die überraschende Wendungen nimmt und uns am Ende auch weinen lässt. Vor Lachen, Wut und Trauer.

Florian Dietrich
Florian Dietrich, Nominiert, First Steps Award
© Fabian Raabe

Geboren 1986 in Wiesbaden. Nach dem Abitur Regieassistent am Staatstheater Wiesbaden. Von 2005 bis 2007 Studium der Mediendramaturgie in Mainz. Absolvierte Praktika u.a. beim ZDF und ARTE-Spielfilm. Ab 2007 Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und war Stipendiat der Künstlerfördung der Studienstiftung des deutschen Volkes. 2010/11 neunmonatiger Studienaufenthalt am Filmdepartment der Tel Aviv University. Für seinen Abschlussfilm "Toubab“ wurde er 2020 für den FIRST STEPS Award nominiert.

Filmografie

Regie:

2020 Toubab (Spielfilm, 93′)
2014 Berliner Kurzfilmszene (Kurzspielfilm, 3′)
2012 Flucht nach vorn (Kurzspielfilm, 9′)
2011 Ghetto Love Grief (Kurzspielfilm, 22′)
2009 Ghost Riders (Kurzspielfilm, 9′)
2008 11 Grad heiß (Kurzspielfilm, 5′)
2008 Victor (Dokumentarfilm, 13′)
2007 Herr Hergner blieb sitzen (Kurzspielfilm, 6′)

Stand: 27.07.2020

TOUBAB

Durch seine Jahre in der Haftanstalt gereift, freut sich Babtou riesig auf den Neuanfang mit seinem Kumpel Dennis: Die Freiheit genießen und mit den Behörden nichts mehr zu tun haben! Doch ausgerechnet die spontane Willkommensparty läuft so dermaßen schief, dass Babtou noch am gleichen Abend die Hände wieder in Handschellen hat. Und er mit einer ungeahnt dramatischen Nachricht konfrontiert wird: Aufgrund wiederholter Straffälligkeiten soll er in sein „Heimatland“, den Senegal, ausgewiesen werden.
Um die drohende Abschiebung zu verhindern, sind Babtou und Dennis zu allem bereit…

Hochschule: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Filmkategorie: Spielfilm
Länge: 97 Minuten
Drehformat(e): ARRI
Verleih: Camino Verleih
Kinostart: 2021

Stab

Regie Florian Dietrich
Buch Florian Dietrich
Kamera Max Preiss
Darsteller·in Farba Dieng (Babtou), Julius Nitschkoff (Dennis), Nina Gummich (Manu), Seyneb Saleh (Yara), Uwe Preuss (Siggi)
Musik Jakob Vetter
Tondesign Niklas Kammertöns
Szenenbild Theresia Anna Ficus
Kostümbild Svenja Gassen
Redaktion Jörg Schneider (ZDF – Das Kleine Fernsehspiel), Olaf Grunert (ZDF/arte), Barbara Häbe (arte)
Produzent·in Marcos Kantis, Louise von Johnston (Junior Produzentin)
Produktionsfirma Schiwago Film GmbH

Juan Mora Cid
Juan Mora Cid, Nominiert, First Steps Award
© Fabian Raabe

Geboren 1983 in Concepción, Chile. Studium Visuelle Kommunikation und Filmregie an der Kunsthochschule Kassel. Für seinen Abschlussfilm "Der Wert der Erde“ wurde er 2020 für den FIRST STEPS Award nominiert.

Filmografie

Regie & Drehbuch & Produktion:

2019 Der Wert der Erde (Spielfilm, 75′)
2014 Sweet Home (Kurzspielfilm, 10′)
2012 Racula (Kurzspielfilm, 18′)
2008 Gotas de Arena (Kurzspielfilm, 14′)

Regie & Drehbuch:

2017 Unterwelt (Spielfilm, 35′)
2013 Meine Heimat (Kurzspielfilm, 5′)
2010 Der Faulpelz (Kurzspielfilm, 15′)

Produktion:

2009 Te Fuiste Fortuna. Regisseur: Gerson Mora (Kurzspielfilm, 17′)
2007 Fin de Fiesta. Regisseur: Gerson Mora (Kurzspielfilm, 19′)

Stand: 27.07.2020

DER WERT DER ERDE

Carlos Kindermann, ein Schweizer mit chilenischer Herkunft, kehrt nach 47 Jahren in die Region Araukarien, das Land seiner Kindheit, zurück. Er kommt mit dem Wunsch, das Erbe von 3000 Hektar wertvollem Land möglichst schnell zu verkaufen. Die Ereignisse vor Ort lassen ihn allerdings daran zweifeln.

Hochschule: Kunsthochschule Kassel
Filmkategorie: Spielfilm
Länge: 75 Minuten
Drehformat(e): Arri Alexa

Stab

Regie Juan Mora Cid
Buch Juan Mora Cid, Linda Lemanski
Kamera Cesar Valdivia, Claudio Riquelme
Darsteller·in Alvaro Muñoz (Carlos Kindermann)
Animation Mario Anselmi
Schnitt Juan Mora Cid, Linda Lemanski
Musik Elisa Avendaño, Carlo Fiore, Joel Maripil, Pedro Millar
Tondesign Fernando Abba
Sounddesign Fernando Abba, Pedro Antivil, Marcos Salazar
Szenenbild Evelyn Kiessling
Kostümbild Claudia Inostroza
Produzent·in Juan Mora Cid
Co-Produzent·in Samuel Nerl, Gerardo Cid, Gabriel Benelli
Weitere Agualoca Films, REM Cine, Frontera Sur, Raconto Cine
Produktionsfirma Agualoca Films

Sandra Wollner
Sandra Wollner, Preisträgerin, First Steps Award
© Fabian Raabe

Geboren 1983 in Leoben. Studium Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Ihr Drittjahresfilm "Das unmögliche Bild" wurde mit dem Preis der deutschen Filmkritik als bester Spielfilm des Jahres 2018 geehrt. Ihr Abschlussfilm "The Trouble With Being Born" feierte 2020 Weltpremiere auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin in der neuen Wettbewerbs-Reihe Encounters, wurde dort mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und gewinnt im selben Jahr den FIRST STEPS Award in der Kategorie abendfüllender Spielfilm.

Filmografie

Regie:

2020 The Trouble With Being Born (Spielfilm, 94′)
2016 Das unmögliche Bild (Spielfilm, 70′)
2015 Viktor (Kurzspielfilm, 9′)
2014 Louis & Luk (Spielfilm, 26′)
2013 Uns geht es gut (Kurzspielfilm, 7′)

Stand: 27.07.2020

THE TROUBLE WITH BEING BORN

Elli ist ein 10-jähriger Android und lebt bei einem Mann, den sie Papa nennt. Sie lassen sich durch den Sommer treiben, schwimmen tagsüber im Pool und abends nimmt er sie zu sich ins Bett. Elli wird zur Wunschfigur und zur Hülle seiner Erinnerungen. Erinnerungen, die ihr nichts, ihm aber alles bedeuten. Eines Nachts läuft er einem seltsamen Echo hinterher, bis tief in den Wald hinein, und Elli, die ihm folgt, wird dabei von Fremden entdeckt. Die Geschichte einer Maschine und der Geister, die wir alle in uns tragen.

Hochschule: Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg
Filmkategorie: Spielfilm
Länge: 94 Minuten
Drehformat(e): Arri Amira
Verleih: Cercamon
TV-Erstausstrahlung: ZDF Das kleine Fernsehspiel

Stab

Regie Sandra Wollner
Buch Sandra Wollner, Roderick Warich
Kamera Timm Kröger
Darsteller·in Simon Hatzl (Toni), Jana McKinnon (Elli), Lena Watson (Android (Elli / Emil)), Dominik Warta (Georg), Ingrid Burkhard (Frau Schikowa)
Schnitt Hannes Bruun
Szenenbild Pia Jaros
Redaktion Susanne Spellitz (ORF), Burkhard Althoff (ZDF Das kleine Fernsehspiel)
Produzent·in Astrid Schäfer, David Bohun, Lixi Frank
Co-Produzent·in Timm Kröger